Der Journalist und PR-Fachmann Terry Swartzberg, der sich für ein Wiederaufnahmeverfahren in diesem spektakulären Mordfall engaigert, hatte mich vor 2 Jahren zu seiner Performance auf dem Marienplatz eingeladen, mit dem Titel “Justizia hinter Gittern“, bei dem unter anderem auch an den Mordfall Charlotte Böhringer erinnert wurde, bei dem sich die Justiz sehr schnell auf den Neffen Benedikt (Bence) Toth als Schuldigen eingeschworen hatte.  In diesem Fall  kannte ich das Gesicht hinter den Schlagzeilen – Es ging um den Mord an der milionenschweren Parkhaus-Besitzerin Charlotte Böhringer: Einst war sie mir persönlich begegnet, in einer dieser frühmorgendlichen Absturzkneipen am Viktualienmarkt, in denen, jenseits aller gesellschaftlichen Schranken, Halbwelt, Bohème und Schickeria sich jene Theke teilen, die noch ein paar Stunden Aufschub vor der Ernüchterung bietet. Ganz offensichtlich war Charlotte Böhringer, ebenso wie ich zu jener Zeit, nicht zum ersten Mal in dieser Milieu-Kneipe zu Gast. Wer hier und zu solcher Uhrzeit des öfteren abstürzt, führt kein geerdetes Leben und hat oft ein Alkoholproblem. Umso mehr erstaunte mich später, dass sich die Polizei so schnell auf Böhringers Neffen als ihren Mörder festlegte. Allein der Umgang, dem sich das Opfer während ihrer Alkohol-Touren ausgesetzt hatte, verwies auch auf andere denkbare Tatumstände hin, zumal ich selbst Böhringer abwechselnd als sehr schutzbedürftig und dann wieder sehr aggressiv empfunden hatte …


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In Folge brachte mich Terry mit dem Profiler Axel Petermann in Kontakt, der als einer der fachkundigsten Vertreter auf dem Gebiet der Fallanalyse gilt und der, auf Grund seiner bisherigen Erkenntnisse, eine Wiederaufnahme des Verfahrens im Mordfall Böhringer dringend befürwortet: Zusätzlich hat eine ausführliche Fallanalyse eines privat ermittelnden Profilers zweifelhafte Ermittlungsergebnisse herausgearbeitet. So seien Abdrücke irrtümlich als Handschuhspuren gedeutet worden, zudem sei der Todeszeitpunkt falsch berechnet worden. “Die Grundannahmen des Gerichts sind meiner Ansicht nach nicht zu halten”, sagte der Verfasser der Fallanalyse, der langjährige Leiter der Bremer Mordkommission Axel Petermann, so das ZDF auf seiner Homepage zu einem Beitrag in Frontal 21, vom 19. Februar 2019.

Quelle: Homepage ZDF/Frontal 21, Februar 2019

> BEITRAG ZDF – FRONTAL 21

Gemeinsam haben Axel Petermann und ich desweiteren versucht, eine enge Freundin von mir, die Charlotte Böhringer gut kannte, zu einem unverbindlichen Gespräch zu bewegen. Vergebens. Allein die Vorstellung, Böhringer sei jemals am Viktualienmarkt versackt, wurde energisch von der Hand gewiesen. Man mauert, schweigt sich offensichtlich in diesem Fall lieber aus.
[Nun ja, wenn ich Revue passieren lasse, wer mir noch so alles aus der “feineren Gesellschaft” zur Unzeit an Unorten im Verlauf meiner wilden Jahren begegnet ist, kann ich nur den Kopf schütteln und mich einmal mehr fragen, ob es um die Gesellschaft, welche auch immer, nicht besser bestellt wäre, wenn sie zu etwas mehr Mensch-sein stünde, mit allen dazugehörigen Facetten.]

Am Viktualienmarkt, zwanzig Jahre nach meiner Begegnung mit Charlotte Böhringer, mit dem netten TV-Team, bei leider mäßigen Lichtverhältnissen. Ganz rechts Thorsten Misler, mein Interview-Partner

Heute nun habe ich all meine Kenntnisse nochmals in einem Interview mit RTL zur Sprache gebracht, vor jenem Lokal, das nicht mehr existiert, in dem sich vor vielen Jahren die Wege von Charlotte Böhringer und mir kurz kreuzten. Durch meine heutigen Aussagen möchte ich meine Hoffnung ausdrücken, dass dem Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens, der bereits im Februar 2019 von Münchner Anwälten bei Gericht eingereicht wurde, stattgegeben wird. Leider zeugen dramatische Fehlurteile immer wieder davon, dass mitunter EBEN NICHT im Zweifel für den Angeklagten geurteilt wird. Noch schwerer fällt es dann im Nachgang einem Gericht das Eingeständnis abzuringen, dass auch ein solch ehrwürdiges Organ aus Menschen besteht, die irren können. Treffen kann es jede/n von uns. Zu jeder Zeit. Das ist mir schlagartig bewusst geworden, als ich bei Terry Swartzbergs Kundgebung “Bayerns Justizia hinter Gittern” die Tränen in den Augen von Bences Mutter gesehen habe, die auch innerlich schon so unendlich lange weint … Zwei Jahre sind vergangen, zweimal weitere 365 Tage und mehr, in denen Bence Toth noch immer seine Unschuld beteuert … Wäre nicht allein dies ein zwingender Grund, angesichts so vieler Zweifel, für eine Wiederaufnahme des Verfahrens?


Weiterführende Links zum Fall Benedikt “Bence” Toth

Die Bürgerinitiative Pro Bence
hat eine ganze Reihe von Kritikpunkten bezüglich der Mordermittlugen und des Urteils gegen Benedikt Toth zusammen getragen

Profiler Axel Petermann
hat eine Übersicht des aktuellen Pressespiegels zum Fall Böhringer auf seiner Homepage veröffentlicht

Bayerns Justizia hinter Gittern