Eigentlich wollte ich letzten Freitag nur sicher stellen, dass mein 12jähriger Enkel bei seiner unbegleiteten Bahn einen sicheren Sitzplatz bekommt …  Dieses großmütterliche Anliegen verwandelte sich in ein Abenteuer – eine unfreiwillige Bahnfahrt nach Nürnberg und retour – das seinen vorläufigen Höhepunkt heute in einer bundesweiten Schlagzeile in der Bildzeitung findet. Es zeigt aber auch, wie wichtig es ist, Vorfällen differenziert zu begegnen. Wieder die Geschichte einer  Chaosfahrt mit der Deutschen Bahn. Ja. Aber auch die Geschichte von unbürokratischer Hilfeleistung seitens einer DB-Schaffnerin, die so herzerwärmend auf einem Bierzettel formuliert daher kam, dass sich der Bitte um meine kostenlose Beförderung in Folge auch niemand entzog und nicht entziehen wollte. Danke!

Mit diesem improvisierten Fahrschein beförderte die DB Gaby dos Santos nach Nürnberg und retour

 

Nachstehend meine Posts:

Post vom 12. Juli 2019, während meiner Bahnfahrt zurück von Nürnberg nach München

Bin unfreiwillig in Nürnberg gelandet. Mein Beitrag zu den DB-Erlebnis-Posts im Sommer 2019:

Wollte meinen unbegleiteten minderjährigen Enkel sicher im ICE unterbringen. Nachdem der – gefühlt – HALBE ZUG wegen eines Defekts kurzfristig ausgefallen war, herrschte nämlich das inzwischen gängige Chaos im Bezug auf Wagennummern und Reservierungen. Der Zug ist dann zwar verspätet, aber ganze 5 Minuten vor der angegebenen neuen Anfahrtszeit gestartet! Mit mir an Bord!! Ohne Ticket und EC Karte! Mit 35 € in der Tasche! Soweit die schlechte Nachricht. Die gute war, dass es ein ausgiebig langer Abschied von meinem Liebling wurde. Auch die Mitreisenden haben regen Anteil genommen und sich als Zeug*Innen bei der Fahrkartenkontrolle angeboten. War gar nicht nötig, denn die Schaffnerin stellte mir ganz unbürokratisch obigen Fahrschein-Zettel aus. Der wurde dann auch mit verständnisvollen Lächeln von allen Kontrolleurinnen als Fahrschein akzeptiert. Nur ein Schaffner startete einen Oberwichtig-Vortrag von wegen niemals in einen ICE steigen, mit dem man nicht fahren wolle. Aber der Ton blieb freundlich und das Bellen, bei dem es dann blieb, erschreckte nur meinen Enkel, der seine Oma schon irgendwo hinter den Stadtmauern Nürnbergs stranden sah. Armer lieber Enkel!

Hauptbahnhof Nürnberg: Der Zug mit dem Enkel fährt davon


Inzwischen befinde ich mich längst auf dem Rückweg nach München, wo ich in etwa zur selben Zeit ankommen werde, wie Enkel in Frankfurt. Fazit: Die Chefs der Deutschen Bahn haben über Jahrzehnte Schindluder mit dem managen ihrer Kernkompetenz betrieben, nämlich mit der reibungslosen Beförderung ihrer Fahrgäste vom A nach B, was auch eine vernünftige Wartung und Erneuerung der Transportmittel voraus gesetzt hätte. Das wurde versäumt, und andere Mitarbeiter*Innen auf allen Ebenen dürfen das jetzt ausbaden! Ich möchte nicht ins der Haut vieler Bahnmitarbeiter*Innen in dieser Urlaubszeit stecken, vor allem nicht der derer, die in direktem Kundenkontakt stehen. Und doch zeigten sich heute alle – und nicht nur mir gegenüber – einmal mehr ruhig und gleichbleibend freundlich. Das gehört einfach gesagt und vor allem gewürdigt, als Fazit meiner offiziellen Schwarzfahrt München-Nürnberg-München … Die gleich pünktlich zum Ende sein wird …
😜🙃🚄

Post vom 15. Juli 2019:

Avzin Arbilly und ein Pressefotograf der Bildzeitung erwarten mich am Münchner Hauptbahnhof

Nach meinem Bericht über den unfreiwilligen Zugausflug nach Nürnberg am vergangenen Freitag, mit einem liebenswert improvisierten Fahrschein, ausgestellt von der Schaffnerin auf einem Block von BITBURGER, kontaktierte mich gestern eine Journalistin der Bildzeitung, um mich am Münchner Hauptbahnhof an dem Gleis zu interviewen, an dem das Abenteuer Freitag seinen Lauf nahm. 😉

Gut, dass die Journalistin das Thema aufgreift, denn so freundlich, zugewandt und flexibel das Personal der DB auch mit jeder Situation umgeht, wird es für das Unternehmen selbst höchste Zeit, die Perma-Ausfälle nicht länger als bedauernswerte Einzelfälle darzustellen, sondern als das ausgewachsene Problem, das es nun einmal ist, und uns Reisenden dadurch die Möglichkeit einräumt, uns auf die tatsächliche Situation einzustellen. Wahrscheinlich die, dass ein Grossteil der Infrastruktur marode, nicht von heute auf Morgen zu ersetzen und Zugfahren derzeit ein Vabanque-Spiel ist. Ändern lasst sich ja sowieso nichts, nicht auf absehbare Zeit jedenfalls. Und “DIE BAHN” besteht aus vielen, vielen Mitarbeiter*Innen, die zumeist ihr Bestes geben, wie diese wunderschöne Sommer-Begebenheit zeigt.

Nur ein Facebook User der sich als Mitarbeiter der DB ausgab, teilte meinen Bericht auf Facebook von Freitag mit einem Wutsmiley und kommentierte mit: “Wie blöd ist die Alte?”



Link zum BZ-Beitrag

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