Vom Eröffnungskonzert des Luzern Festivals am 16. August hat mich in erster Linie der Pianist Denis Matsuev mit Rachmaninows 3. Klavierkonzert überzeugt. Diese Musik passt zu dem kraftstrotzenden Pianisten, der aber durchaus mit leichter Hand die intimeren Passagen des Konzerts zum Klingen brachte. Die Größe des viel gerühmten Saals des KKL (über 1.800 Sitzplätze) ist beeindruckend, aber dennoch im 4. Balkon mittig, angeblich akustisch ein guter Platz, klingt die Musik in erster Linie bombastisch, im Einzelnen aber wenig differenziert, geschweige denn nah- oder fühlbar.

Die beiden Stücke nach der Pause, Vokalise op. 34 und Sinfonie Nr. 3 von Rachmaninow konnten mich kompositorisch wenig überzeugen oder lag es an der Interpretation von Dirigent Riccardo Chailly, der das Orchester von einem Höhepunkt zum anderen trieb. Erstaunlich auch, dass in seinem Orchester kaum noch Frauen mitspielen. Aus berufenem Munde wurde mir berichtet, dass bei seinem Vorgänger das Orchester noch paritätischer besetzt war. Die wenigen Frauen, die in den ersten bzw. zweiten Geigen sitzen, mussten sich auf den hinteren Plätzen oder der Innenseite begnügen. Wie schade, dass ein Jahr, nachdem das Luzern-Festival mit einem Sonderkonzert auf Dirigentinnen aufmerksam machte, und in diesem Jahr zumindest zwei Dirigentinnen im Programm stehen, die Parität im Orchestergraben zu wünschen übrig lässt.

Oder lag‘s am Motto des diesjährigen Festivals “Macht”, das quasi systemimmanent Musikerinnen, Dirigentinnen oder Komponistinnen ausschließt? Schön wäre es, wenn auch mal ein oder zwei Komponistinnen auf dem Programm stünden. Ein passendes Motto ließe sich sicherlich finden …



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Die Fotos zum Beitrag, Impressionen des Eröffnungskonzerts des Luzern Musikfestivals 2019, stammen ebenfalls von Ulrike Keil