Rudolf Josef Koeckert

Historisch schließt sich mit dem Auftritt von Nicolas Koeckert im Sudetendeutschen Haus in München (26.1.20/15 Uhr) ein Kreis: Eröffnet hatte ihn Großvater, Rudolf Josef Koeckert (* 1913 in Großpriesen bei AussigBöhmen, † 2005 in München). 1939 gründete er das Sudetendeutsche Streichquartett, aus dem später das international bekannte Koeckert-Quartett hervorging, ab 1949 mit Sitz in München.

Im Jahr 1950 entdeckte Rudolf Koeckert ein bislang unbekanntes Streichquartett in c-Moll von Anton Bruckner und gab es 1956 im Druck heraus. Nach über 30 Jahren zog er sich 1982 aus dem Koeckert-Quartett zurück, das nunmehr, unter dem Namen Joachim-Koeckert-Quartett, von seinem Sohn Rudolf Joachim Koeckert fortgeführt wurde, der zudem über lange Jahre auch Konzertmeister beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war.

Zuständig für die “streichinstrumentarische Versorgung” ist seit den 1990er Jahren Rudolf Joachim Koeckerts Frau Renata. Deren Großvater war der Berliner Geiger und Dirigent Max Modern. Sein Sohn Geraldo Modern, Renatas Vater, wollte immer Geiger werden. Doch nach der Flucht vor den Nazis nach Sao Paulo 1933 verbot der Vater seinem Sohn eine unter diesen Umständen “brotlose” Künstlerkarriere. Der reüssierte statt dessen als erfolgreicher Unternehmer und pflegte das Geigenspiel als Hobby. Erst mit 65 Jahren erfüllte er sich seinen Lebenstraum: Er verkaufte seine Firma und erstand eine Stradivari. Weil Geraldo Modern schon in Brasilien alle dort gastierenden großen Musiker zu sich nach Hause eingeladen hatte, konnte er mit 65 Jahren auf diese Kontakte zurückgreifen. Er begann mit Streichinstrumenten zu handeln.

Renata Koeckert

Der Beginn von Tochter Renatas Karriere. Sie begleitete ihn zu den Händlern nach London, Paris oder Amsterdam. Durch ihren Vater lernte sie auch ihren Mann, den Münchner Rudolf Joachim Koeckert (Konzertmeister beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks) kennen. Die Ehe verpflanzte die schöne Brasilianerin nach München.

1990 entschloss sie sich, ein eigenes Geschäft zu gründen. Vater und Ehemann warnten entsetzt: “Das schaffst du nie!” Doch sie telefonierte unverdrossen Kunden ab, die sie durch ihren Vater kannte. “Anfangs rief kein Mensch zurück”, erinnert sie sich. Heute steht das Telefon dagegen nicht mehr still. Ihre Kunden reisen bis aus Neuseeland nach München-Schwabing, wo Koeckerts Geschäft in einer wunderschönen Jugendstil-Wohnung untergebracht ist. (WELT AM SONNTAG, Im Banne der Stradivaris, 17.12.00, A. Lautenbacher)

Hinten, v. li.: Renata Koeckert in ihrem Geschäft für Streichinstrumente, Gaby dos Santos, Kulturmanagerin Beatrice Starck, vorne Nicolas Koeckert, jüngster Spross der Streicher-Dynastie

Genau dort habe ich Mutter und Sohn Koeckert im Dezember 2019 erstmals getroffen, vermittelt von Kulturmanagerin und jourfixe-Mitglied Beatrice Starck. Die Chronik sowohl der Moderns, wie auch die der Koeckerts hat mich vom ersten Augenblick an gefesselt. In Nicolas, dem jüngsten Spross der Koeckert-Dynastie, sehe ich die verkörperte Quintessenz mehrerer Kapitel deutsch-jüdischerer Zeit- und Musikgeschichte, die sich quer über den Globus erstreckt und somit in einen der Themenschwerpunkte meiner > Historicals fällt. Daher starten auch nächsten Februar 2020 die ersten Aufnahmen im Münchner ARTIST STUDIO zu “Die Koeckerts – Ein Spiel der Geigen”.

Collage zu Nicolas Koeckerts Gastpiel in Mumbai im Dezember 2019

Nachdem ich mich bereits ein wenig in Nicolas CD’s und Video-Clips hineingehört habe, freue ich mich, ihn nun erstmals live zu erleben, bei einem der seltenen München-Gastspiele dieses international gefragten Geigers.


Details zur Matinée bei freiem Eintritt im SUDETENDEUTSCHEN HAUS (Hochstraße 8) in München finden sich unter nachstehendem Bild/Link >