Chansonnier Albrecht von Weech sitzt Anfang Juni 2019 auf dem roten Plüschsofa von Zarah Leander neben Jürgen Draeger, genau wie einst ich, Anfang September 2004. Seit damals scheint Bruno Balz immer wieder unsichtbar Fäden zu ziehen, dieser ebenso große, wie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Textdichter berühmter UFA-Songs …

Zum ersten Mal hörte ich auf besagtem roten Sofa von Jürgen Draeger die unfassbare Lebensgeschichte des Bruno Balz, mit dem er bis zu dessen Tod 1988 zusammengelebt hatte. Dabei nahm ich mir fest vor, diese Künstlervita in Bühnenform weiterzuerzählen, um dazu beizutragen, dem Autor der Texte von Hits wie “Davon geht die Welt nicht unter”, “Waldemar” oder “Sing, Nachtigall sing” einen Namen, eine Biografie und ein Gesicht zu verleihen. Zumal die Anonymität des Autors kein Zufall, vielmehr durch seine Homosexualität begründet war, die nicht nur im Dritten Reich, sondern bis in die Nachkriegszeit hinein durch den berüchtigten Paragraf 175 strafrechtlich verfolgt wurde, ein ebenfalls wenig bekannter Umstand.

Jürgen Draeger berichtete in derart packenden Worten, dass der Ton-Mitschnitt, den ich lediglich als Gedächtnisstütze hatte aufnehmen lassen, in Form von O-Ton-Einblendungen zum Kern der Produktion, dem Historical “Kann denn Liebe Sünde sein – Bruno Balz, Hitlers heimlicher Hitschreiber” wurde, einem bislang unbekannten Kapitel jüngerer deutscher Kulturgeschichte, geschildert aus der sehr persönlichen Sicht des Lebensgefährten in O-Ton-Aufnahmen.

Um die Authentizität zu wahren, sind diese Tondokumente bis heute in ihrer ursprünglichen Form verblieben, während ich über Jahre weiter zum historischen Hintergrund recherchiert, die Produktion ausgefeilt und seit zwei Jahren auch die ideale Besetzung für dieses “HISTORICAL” gefunden habe, mit Chansonnier, Allround- und Lebenskünstler Albrecht von Weech als Interpret jener berühmten UFA-Hits, für die Balz federführend war, meist im Tandem mit Komponist Michael Jary.

Juni 2019: Albrecht von Weech in Berlin  mit Jürgen Draeger vor dessen Gemälde, mit dem alles begann …

Überall Erinnerungen an Bruno Balz im Hause Draeger

Nun hat Albrecht, gemeinsam mit TV-Journalist Sascha Henn/NDR, der zuvor eine Probe und eine Aufführung des Historicals in München filmisch begleitet hatte, in Berlin spontan Jürgen Draeger besucht. Obiges Foto zeigt Albrecht von Weech und Jürgen Draeger unter einem Gemälde, das Draeger mit 19 Jahren gemalt und mit dem er seinerzeit einen Wettbewerb gewonnen hatte. Balz kaufte das Bild und zwischen den Männern entstand eine tiefe Beziehung, die bis zum Tod des großen Textdichters, 1988, währte. Nun hat seine Person die zwei  schillernden Künstlerpersönlichkeiten Jürgen Draeger und Albrecht von Weech zusammengeführt!

Längst sind Albrecht von Weech, Jürgen und sein Mann Pietro Draeger auch Mitglieder der Kulturplattform jourfixe-muenchen und entsprechend planen wir im August 2020 in München, der Stadt, in der Jürgen Draeger lange lebte, Veranstaltungen zu seinem 80. Geburtstag, möglicherweise in Form einer Reprise von “Kann denn Liebe Sünde sein”, evtl. einer Werkschau von Bildern und/oder Talk-Auftritten dieses vielseitigen Künstlers, der selbst erfolgreich wurde, in den 60er und 70er Jahren als Schauspieler und später als Maler, u.a. mit seinem Querelle-Zyklus ,der auf Anregung von Werner Rainer Fassbinder persönlich entstand (> VIDEO) sowie seiner “Willy Brandt”-Portrait-Serie.

Mehr zur künstlerischen Vielfalt des angehenden Jubilars 2020 findet sich unter “Aus dem Füllhorn eines Künstlers und Kultur-Chronisten”

Ein weiteres Ziel unserer Kulturplattform für 2020 ist, die Bühnenbiografie “Kann denn Liebe Sünde sein – Bruno Balz, Hitlers heimlicher Hitschreiber” verstärkt bundesweit zur Aufführung zu bringen, vor allem endlich einmal in der Geburtsstadt von Bruno Balz: in Berlin! Denn diese Geschichte gehört erzählt, immer wieder erzählt, heutzutage erst recht, als mahnende Stimme aus der Vergangenheit für unser aller Zukunft, beginnt sie doch im liberalen Berlin der 1920er Jahre, in dem sich die schwul-lesbische Szene relativer Freiheit erfreute, bis diese 1933 beinahe über Nacht kippte …

Unsere persönliche Geschichte mit Bruno Balz ist um eine weitere Episode reicher, aber sicher noch lange nicht beendet …  🙂

 


Einige Hinweise zu nachstehender filmischen Reportage:

Bruno Balz war TEXTDICHTER, nicht Komponist. Vertont hat dessen unvergessene Liedzeilen vor allem KOMPONIST MICHAEL JARY.

Die Filmaufnahmen in München sind während der Proben und einer Aufführung des Historicals “KANN DENN LIEBE SÜNDE SEIN? – BRUNO BALZ” entstanden und zwar in der Pasinger Fabrik und NICHT in den Kammerspielen, wie, laut meinem Feedback, bereits mehrfach falsch verstanden wurde, da im Beitrag das Historical mit “in einem Kammerspiel” missverständlich umschrieben wurde. Auch hat sich KEINESWEGS  Der Schauspieler Albrecht von Weech hat sich in einem Kammerspiel dieser unglaublichen Geschichte angenommen …  Diese Formulierung erweckt fälschlich den Eindruck einer Urheberschaft Albrecht von Weechs, der aber für  die Produktion von mir als Chansonnier (nicht als Schauspieler) engagiert wurde. (Siehe obige Ausführungen)

Im Kurzbeitrag zu sehen sind Chansonnier Albrecht Von Weech,​ sowohl in Aktion, wie auch im Interview während einer Probenpause, sowie Schauspieler Lutz Bembenneck, vor dem Hintergrund einiger meiner Bildcollagen, die ich aus historischem Bildmaterial und privaten Fotos aus dem Bruno Balz Archiv gestaltet habe.

Schön, dass das Schicksal von Bruno Balz, hier exemplarisch festgemacht an der Entstehungsgeschichte des Liedes “Ich weiß es wird einmal ein Wunder gescheh’n”,  nun auch dem NDR einen Bericht wert ist. Bedauerlich bleiben manche historischen und inhaltlichen Unkorrektheiten (s.o.)  und das Fehlen jeglicher Quellenangabe auf der entsprechenden Mediathek-Seite.

NDR-Beitrag vom 19.06.19, u.a. mit Ausschnitten zu einer Münchner Aufführung 2019

LINK zum Beitrag

Jürgen Draeger sitzt auf dem Sofa von Zarah Leander; Standbild aus dem  NDR-Beitrag

> „Ich weiß, es wird ein Wunder geschehen“

DAS! – 19.06.2019 18:45 Uhr Autor/in: Sascha Henn
Die Entstehung des Erfolgsschlagers „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ mutet fast wie ein Krimi an. Denn das Lied rettete Songschreiber* Bruno Balz vor dem Tod.

*Der obige Begriff „Songschreiber“ steht für „Textdichter“, Bruno Balz schrieb die Texte zu den Liedern, komponierte aber nicht die Musiken; die in der Hauptsache von Michael Jary stammen


ZUR PRODUKTION von Gaby dos Santos: “Kann denn Liebe Sünde sein? – Bruno Balz”
in Kooperation mit dem Bruno-Balz-Archiv in Berlin, Jürgen Draeger