Wie gesegnet München mit musikalischen Talenten ist – “Dahoamigen” wie “Zuagroasten” – stellt die Landeshauptstadt unter anderem alle zwei Jahre mit der Verleihung des Musikförderpreises unter Beweis und setzt damit ein wichtiges öffentliches Ausrufe-Zeichen in Bezug auf das musikalische Potential unserer Stadt. Vergeben wird die mit 6.000,- € dotierte Auszeichnung an Künstler*Innen, die sich bereits einen Namen gemacht haben – und denen diese Finanzspritze bei der Fortsetzung ihres erfolgreichen Weges helfen soll. Bei der Vergabe sind die musikalischen Stile erfrischend vielfältig vertreten, wie sich auch in der diesjährigen Zusammenstellung der Preisträger*Innen erweist. Ausgezeichnet wurden:

die deutsch-türkische Rapperin Ebow
die japanische Pianistin Masako Ohta
das DJ/Produzenten-Duo Schlachthofbronx
der Jazz-Trompeter Matthias Lindermayr

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Der Schauplatz der Preisverleihung vor Beginn der Veranstaltung

Schauplatz des Geschehens war die kulturelle Mehrzweckhalle  “Schwere Reiter – Tanz/Theater/Musik”, ein kongenialer Spiel- und künstlerischer Experimentier-Ort am Anfang des Kreativ-Quartiers, in der Dachauer Straße. Für die Organisation des Abends verantwortlich zeichnete Kulturmanagerin Christiane Böhnke-Geisse, eine bekannte Persönlichkeit in der Münchner Musikszene.

Leider lässt sich ein solches Objekt bei den Temperaturen dieses Sommers nicht wirklich klimatisieren, so dass ich stark an meine Grenzen stieß. Multitasking, in diesem Fall Konzentration bei gleichzeitigem Fächern, erwies sich als beinahe unmöglich – und gefächert wurde viel, auch im Publikum, ob mit dem Original-Accessoire oder dem dazu zweckentfremdeten Programmheft. Zugleich bewiesen die voll besetzten Zuschauerränge die Solidarität nicht nur aus dem persönlichen Umfeld der Prämierten, sondern auch seitens der Kolleg*Innen aus der Münchner Kulturszene, die sich zahlreich eingefunden hatten.

Da eine der Preisträger*Innen 2019 unser Vereinsmitglied Masako Ohta war, hatten sich von unserer Seite gleich mehrere  jourfixe-Mitglieder zum Gratulieren versammelt, darunter meine Freundin und WG-Mitbewohnerin, die Kulturmanagerin Cornelia Prössl, und die Musikwissenschaftlerin Ulrike Keil, die sich nach vielen Jahren als Pressechefin bei Musikerlebnis/Tonicale nun selbstständig gemacht hat > Dr. Keil Musikpromotion. Auf dem Foto links zu sehen ist Petra Windisch de Lates, die in weiser Voraussicht einen überdimensionalen Fächer aus China mitgebracht hatte.

Auch ihr Mann Thomas de Lates war natürlich zugegen, für ihn als Erster Vorsitzender unserer Kulturplattform schon beinahe ein Pflichttermin 😉 den er aber ganz offensichtlich gerne und bis fast ultimo auf dem anschließenden Empfang wahrnahm. Auf nachstehendem Foto links ist er neben Christine Prunkl vom SPD Kulturforum zu sehen, bei dem das Ehepaar de Lates Mitglied ist und auf nachstehendem Foto rechts vor Beginn der Veranstaltung im Vorraum, in den später der städtische Empfang stattfand.

Überfällig fand ich den Preis als Anerkennung für Masako Ohta, die seit vielen Jahren die Münchner Kulturszene nicht nur mit ihrem Piano-Spiel bereichert, sondern auch mit ihrem sicheren Händchen für spannende Cross-Over-Projekte, sowohl was musikalische Stile anbelangt, wie auch die Einbindung unterschiedlichster Kunstformen. Damit überrascht sie ihr Publikum in bemerkenswert kurzen Zeitabständen. Dabei gilt ihre besondere Hinwendung der Improvisation.  Ausschnitte aus der Begründung der Jury: – „Die aus Tokyo stammende Pianistin und Performance-Künstlerin Masako Ohta absolvierte ihr Klavierstudium an der Universität Toho Gakuen School of Music in Tokyo und an der Hochschule der Künste Berlin und bereichert seit über drei Jahrzehnten das musikalische Geschehen der Landeshauptstadt. Ihre intensive Beschäftigung mit Poesie, Klang und Musik aus Japan, Europa und anderen Kulturkreisen führte sie mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten zusammen. Sie kreiert eigene Tanz- und Theateraufführungen und partizipiert in den unterschiedlichsten Kollektiven. Ihre Arbeit entsteht oftmals in interkulturellen und interdisziplinären Zusammenhängen. Sie konzipiert und realisiert eigene Konzertreihen und Klaviersoloprogramme und ist eine gern gesehene Akteurin sowohl auf den Bühnen der kleinen Häuser als auch auf großen Festivalbühnen.“ (… MEHR)

Münchens Kulturreferent Anton Biebl überreicht Masako Ohta den Musikförderpreis 2019

Im Gespräch mit dem neuen Münchner Kulturreferenten Anton Biebl, von dem sie auch die Urkunde erhielt, überraschte mich Masako wieder einmal und gab mir zu denken: Während ich mich in der Hitze gefühlt immer mehr auflöste, hatte ich nämlich begonnen, darüber zu grübeln, ob es nicht sinnvoller wäre, Preisverleihungen grundsätzlich mit einem hochkulturigen Rahmen auszustatten, klimatisierte Räumen inklusive 😉  anstelle asketischer Hallen … Im selben Augenblick fragte Anton Biebl Masako, ob sie denn einen Wunsch an die Stadt München habe? Mit Masakos Antwort hatte wohl niemand gerechnet: Sie meinte, das Schwere Reiter, dessen Neubau bevor steht, solle sich als Veranstaltungsort genau die Patina bewahren, das Wildwüchsige und Experimentelle, das ihn jetzt auszeichne und lobte darüber hinaus die Akustik.

Touché! Hatte ich mich nicht auch immer dafür eingesetzt, die Kunst von den Ritualen des Kultur-Establishments zu lösen und ihr Raum für Experimente und somit zur Entfaltung zu bieten? Gut, dass mich Masako an diese Voraussetzung allen Kunstschaffens erinnerte. Langsam werde ich alt und bequem. Und eben Hitze anfällig. Eine Erfahrung habe ich aber mit der Zeit auch machen dürfen: Man bekommt nicht jedes Publikum überall hin. Insofern sind übergreifende Locations wie der Gasteig, in den man sowohl die junge, experimentelle (Musik)Szene, wie auch das gesetztere Konzertpublikum bekommt, ebenfalls unverzichtbar, denn im Sinne eines finanziellen Auskommens gilt es, sich ein möglichst breites Publikum zu erobern. Natürlich ohne Abstriche an das eigene künstlerische Profil und Credo!


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