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Jäh aus dem Leben gerissen wurden am 8. März 1943 die Münchner Sinti und Roma. Man überstellte die Familien in das Polizeipräsidium in der Ettstraße, von Oppositionellen auch als die “Mörderzentrale” bezeichnet. Am 13. März folgte die Deportation in Konzentrationslager, vorwiegend in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau; für 130 der Münchner Sinti und Roma eine Reise ohne Wiederkehr …

Analog zu diesem fünftägigen Zeitfenster erinnert eine Reihe von Veranstaltungen, zwischen 8. und 13. März 2019, an die damaligen Ereignisse:

 

Ausschnitt des Flyers 2019 der Landeshauptstadt München

 

Den Auftakt bildet auf den Tag genau, 76 Jahre später, der erste ökumenische Gottesdienst zum Gedenken an diese ermordeten Münchner Sinti & Roma, am Freitag, den 8. März 2019.  Zu diesem Anlass stellt die Erzdiözese München-Freising mit der Theatinerkirche eines ihrer schönsten Gotteshäuser zur Verfügung, im Herzen Münchens gelegen. Eine Geste, die den Leitsatz untermauert, unter dem der Gedenkgottesdienst steht:

Erinnern, gedenken und beten, um zu versöhnen und zur Freundschaft einzuladen ...

 

Die Predigt hält die Münchner Stadtdekanin der evangelisch-lutherischen Kirche, Barbara Kitttelberger. Seitens der katholischen Kirche zelebrieren den Gottesdienst Monsignore Thomas Schlichting, Ressortleiter Seelsorge kirchliches Leben bei der Erzdiözese München-Freising und Pfarrer Jan Opiela, Nationaldirektor bei der Deutschen Bischofskonferenz der katholischen Seelsorge für Sinti, Roma und verwandte Gruppen, die er seit vielen Jahren bundesweit betreut. Von ihnen wird Pfarrer Opiela auch “Raschaj” genannt. Ihm widmet DIE ZEIT (13.7.2018) den Artikel: “Raschaj komm” und schreibt weiter: “Erhält Pfarrer Jan Opiela diesen Anruf, ist es dringend. ‘Raschai’ heißt in der Sprache der Sinti ‘Priester und Schamane’. Dann geht es um Krankensalbungen oder Sterbesakramente oder um die letzte Absprache vor einer Taufe oder Hochzeit. Denn viele Sinti und Roma pflegen noch alte Traditionen. (…)” 

 

Pastor Karl Schmidt predigt zum Gedenkgottesdienst im März 2018

Gespannt darf man auf den Beitrag von Karl Schmidt sein, der verantwortliche Pastor und Leiter der Freien Christen Gemeinde Jeschua in München, die im vergangenen Jahr den Gedenkgottesdienst ausrichtete. „Wir vergessen nicht unsere Menschen – aber wir können vergeben, wenn wir im Herzen Gottes Liebe tragen”, beschwor er damals seine Gemeinde. “Versöhnung” wird ihm auch diesmal Thema sein, im Rahmen einer meditativen Rede.

 

Alexander Diepold (Madhouse gemeinnützige GmbH) beim Gedenkgottesdienst 2018

Einen konkreten historischen Bezug wird die Ansprache von Alexander Diepold herstellen, der, selbst ein Sinto, mit der Madhouse gemeinnützige GmbH eine Familienberatungs- und Anlaufstelle für die Münchner Sinti & Roma geschaffen hat. Exemplarisch für den Holocaust an den Sinti und Roma in der NS-Zeit, wird er vom Schicksal der Höllenreiners erzählen, der größten der betroffenen Münchner Familien. Deren Nachkommen bedeuten die seit 2018 fest im Stadtleben terminierten Gedenkveranstaltungen – und nicht zuletzt der Gottesdienst – unendlich viel. Gerade der Gottesglaube wurde und wird von vielen Sinti und Roma intensiv gelebt. Dennoch setzte sich die Geistlichkeit im Dritten Reich kaum für deren Rettung ein, sondern spielte dem NS-Regime teilweise sogar noch in die Hände, wie der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti & Roma in Deutschland, Romani Rose in einem bewegenden ZDF-Interview Markus Lanz schilderte.

Unter diesem Aspekt steht auch das Schwerpunktthema zum

offiziellen Münchner Gedenktag, am 13.März:

… Was kann geschehen, um unsere Glaubensbrüder zu schützen?
Die Kirchen und der Genozid an den Sinti und Roma,

mit einem Vortrag von Dr. Frank Reuter, von der Fachstelle Antiziganismus Heidelberg, um 19:00 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum München.

Diesem bedrückenden Kapitel stellt sich nun jedoch die Münchner Gegenwart entgegen: So richten Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen Kirchen am 8. März gemeinsam einen Gottesdienst aus, den wiederum zahlreiche Nachfahr*Innen der NS-Opfer mitgestaltet haben, unter anderem bei den Fürbitten. Teilnehmen werden auch Erzpriester Milunovic der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde München und Fabian Brüder für die evangelisch-reformierte Gemeinde München, womit die Ökumene mehr als breit aufgestellt sein wird. Wie immer solidarisch zeigt sich CSU-Stadtrat Marian Offman, Mitglied im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern. der seine Teilnahme ebenfalls zugesagt hat. Und ein in der Türkei geborener und inzwischen renommierter Professor an der UCLA/Los Angeles sowie gefeierter OUD Virtuose, Dr. Münir Nurettin Beken, beteiligt sich am Gottesdienst mit der Darbietung eines eigens für diesen Anlass von ihm komponierten Stück! Hinzu kommen Musik von Sandor Lehmann & Hansi Rottegger, mit Geige und Gitarre sowie Orgelmusik.

Das interkulturelle und interreligiöse Miteinander im sakralen Raum der barocken Theatinerkirche untermauert das biblische Leitzitat des Gottesdienstes

Damit Ihr Hoffnung habt!

und bietet eine vielversprechende Grundlage für das eingangs zitierte Motto dieser ökumenischen Veranstaltung:

Erinnern, Gedenken und Beten, um zu versöhnen

und zur Freundschaft einzuladen

 

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Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma am 13. März 1943  >   LINK
zu den weiteren Veranstaltungen, 8. bis 13.3.2019, auf “muenchen.de”

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Weitere Beiträge zu den Münchner Sinti & Roma im jourfixeblog.wordpress.com >

Eindrücke, Bilder, Videos und Anmerkungen
zum 75. Jahrestag der Deportation der Münchner Sinti & Roma

“Wir können vergeben, wenn wir im Herzen Gottes Liebe tragen …”

Gedenkgottesdienst für die in der NS–Zeit ermordeten Sinti & Roma

Zum 75. Jahrestag der ersten Deportation von Sinti & Roma aus München, am 13.03.1943, eine Veranstaltungsreihe, 08. – 19.3.18