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„Frisch aus ihrer jüngsten Einzelausstellung mit Porträts von Vladimir Putin hat Ira Błażejewska ihren Blick verkehrt. Diese Stücke hier sind als Selbstporträts lesbar. Aber im Einklang mit ihrer Dissektion von Putin sind sie keine einfachen Darstellungen. Die proteane Natur der Identität wird figurativ zum Ausdruck gebracht. Die Gestalten hier sind Avatare für das fissipare Selbst. Erschaffene Identitäten, frei, zu dem zu werden, was sie wollen. Gleichzeitig sind sie in einen klaustrophobischen Raum eingeschlossen, Gliedmaßen und Extremitäten sind an den Rändern abgehackt, oder treiben in einer Montage von Rahmen innerhalb eines Rahmens. Es gibt keine polemische Überprüfung der vorgeschriebenen Grenzen der weiblichen Identität, kein Überschreiten der Grenze zwischen mädchenhaft und grotesk à la Cindy Sherman. Wie Błażejewska selbst betont, sind die Figuren in ihren Bildern androgyn – sie könnten sowohl männlich als auch weiblich sein. Es gibt zum Beispiel einen schiefen Elvis, der das Ikonische ins Sapphische kippt. Und doch sind diese Bilder bei aller Mehrdeutigkeit unverwechselbar und gleichzeitig identifizierbar als eine Einheit.

Das Recht, seine Identität zu schaffen – verstanden als mutierbar – ist das Vorrecht des Künstlers. Aber auto-generative Identitäten erfordern die Freiheit und die spezifischen kulturellen Bedingungen, unter denen sie entstehen können. Diese wurden den künstlerischen Bohemiens des zwanzigsten Jahrhunderts von solchen Oasen geboten, wie sie hier in Ben Buchanans Fotografien festgehalten sind, in dem Milieu der späten 80er in New York, wo er als eine Art Paparazzo-Manqué arbeitete. Wenn Błażejewskas Figuren an die Dekadenz von Weimar-Berlin, von Geor2g Grosz, Jeanne Mammen und Otto Dix erinnern, beschwören Buchanans schwarz-weiße Stills die bohemische Demi-Monde von Fellinis „Rom“. Es handelt sich um Originalaufnahmen der Gestaltwandler, Crossdresser und Namensänderer der Künstlerelite: unter anderen Francesco Clemente, Keith Harring, Grace Jones, Tom Waits, Iggy Pop, Joan Rivers, Boy George, Werner Herzog, Madonna und Jean-Paul Basquiat. Es gibt mehrere Bilder von Basquiat; Basquiat malt, Basquiat legt auf, und natürlich Basquiat, der abhängt mit dem Ober-Doyen der New Yorker Kunstszene selbst, Andy Warhol.“

(Karl Detering)