Musikerinnen gesucht! Mit diesem Aufruf startet zum zwölften Mal vom 8. bis 10. März das Frauenorchesterprojekt zum jährlichen Probenwochenende in Berlin. Das besondere daran aber sind nicht nur die an allen Instrumenten vom Blech bis zum Kontrabass besetzten Musikerinnen, sondern das auserwählte Programm. Ausschließlich Musik von Komponistinnen für groß besetztes Orchester wird unter der erfahrenen Leitung der Münchner Dirigentin Mary Ellen Kitchens erarbeitet. Seit vielen
Jahren bereits zeichnen sich ihre Konzertprogramme durch ihre Vielfalt, u.a. durch die Präsentation von Werken historischer sowie auch zeitgenössischen Komponistinnen, aus.

Die Münchner Dirigentin Mary Ellen Kitchens

Den Musikerinnen geht es um das Kennenlernen und Hörbarmachen von Musik von Frauen, die bis heute im regulären Musikbetrieb kaum wahrgenommen wird. Denn nach wie vor wird das Erscheinungsbild klassischer Musik dominiert von männlichen Komponisten und Dirigenten. In den regulären Konzertprogrammen sind Werke von Komponistinnen nach wie vor die Ausnahme. Dabei hat die Musik von Frauen im Hinblick auf Diversität noch viel Spannendes zu bieten.

Kitchens ist in mehrfacher Hinsicht für dieses Projekt berufen, als Dirigentin mehrerer Ensembles, wie auch durch ihre Erfahrung als Abteilungsleiterin Bestandsmanagement und Digitalisierung beim Bayerischen Rundfunk sowie als Vorstandsfrau des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik.

Mit fast 80 Anmeldungen für alle Orchesterinstrumente kann sie diesmal bei der Auswahl der Stücke aus dem Vollen schöpfen. So steht anlässlich des 200. Geburtstags von Clara Schumann in diesem Jahr deren hochromantisches Klavierkonzert (Elisabeth Stäblein-Beinlich, Klavier) auf dem Programm sowie die Ouvertüre zur Oper „The
Boatswain’s Mate“ der englischen Suffragette Ethel Smyth. Bereits die Ouvertüre zu ihrer vierten Oper in der „big concert version“ von 1914 mit Streichern, Holzbläsern, Schlagzeug und vollem Blech zeigt ihre vielgelobte Begabung zur klangvollen Orchestrierung bestens auf. Eine weitere Rarität im Programm ist die unveröffentlichte 2. Sinfonie der 1969 in Warschau verstorbenen Grazyna Bacewicz, einst Schülerin von Nadia Boulanger in Paris. Bacewicz begann stilistisch im Neoklassizismus, den sie dann konsequent in eine eigene persönliche Musiksprache weiterentwickelte. „Der große Regen“ ist ein hoch emotionales Werk der im Vorarlberg geborenen Johanna Doderer. Die in Wien lebende Komponistin feierte an der Staatsoper und im Konzertverein bereits große Erfolge.

Skeptiker werden fragen „ja, braucht’s denn so was, Frauenorchester“? Aber ja! Solange Komponistinnen laut aktueller Studie des Deutschen Kulturrats („Frauen in Musik und Medien“, 2016) nach wie vor nur mit 13 % in der GEMA vertreten sind und nur 7% als
Mitglieder dem Deutschen Komponistenverband angehören, ist eine gezielte Förderung und Sichtbarmachung mit dem Ziel der Chancengleichheit – nicht nur der Komponistinnen, auch für Musikerinnen – mehr als angebracht. Außerdem macht es den Musikerinnen riesigen Spaß im Frauenorchester diese Werke einzustudieren und sich weiter zu vernetzen.

Presseinformation, Januar 2019

Wer die Ergebnisse des Wochenendes hören will, ist am Sonntag, den 10. März um 12.00
Uhr herzlich eingeladen im Gemeindesaal der Kirchengemeinde Genezareth,
(Schillerpromenade 16, 12049 Berlin) dem Werkstattkonzert zu lauschen.
Eintritt frei, Spende erbeten.

Programm
Ethel Smyth (1858–1944)
Ouvertüre zu The Boatswain’s Mate (big concert version, 1914 )

Clara Schumann (1819–1896)
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 7, 1835
(Elisabeth Stäblein-Beinlich, Klavier)

Grazyna Bacewicz (1909–1969)
2. Sinfonie, 1951
Johanna Doderer(geb. 1969)
Der große Regen, 2007


Pressekontakt:
Dr. Ulrike Keil
ulrike.b.keil@mailbox.org
Tel. 0172-7656 619
oder
frauenorchester@gmail.com
Beatrice Szameitat
Tel. 0171-876 4881

Homepage:
www.frauenorchester.de