Wer Klartext zu körperlicher Liebe für ein Phänomen der post 68er Jahre hielt, wurde in diesem Konzert englischer Renaissance-Lieder von Thomas Campion (1567-1620) eines besseren belehrt. Da ging es verbal streckenweise sehr direkt zur Sache, wenn beispielsweise eine SIE den einen oder anderen Seitensprung gesteht, oder ein Ehemann ins spe beschwört: “Süße, schließe mich nicht aus und wende dich nicht ab von dem, der bald mit dir ins Bett muss.” Nachzulesen waren die Texte sowohl in  sogenanntem Shakespeare-Englisch, wie auch in aktuellem Deutsch, inklusive denglischer Begriffe wie  beispielsweise”Flirt”. /Übersetzungen Gerhard Söhne ( Joel Frederiksen)

Mars-Venus-Saal im Bayerischen Nationalmuseum in München; Deckenansicht

In der Tat sind weder das Flirten, noch Liebeskummer oder körperliches Begehren, Zeitgeist-Erscheinungen unserer Tage, eine vorhersehbare Erkenntnis, die dem Reiz der Lieder von Thomas Campion keinen Abbruch tat, denn es war der spezielle Klang der Renaissance-Musik, der das Publikum im überfüllten Mars-Venus-Saal auf eine klangvolle Zeitreise führte: Dazu griff das Ensemble auf die historische Instrumentierung zurück und ließ die 21 Lieder aus Campions Sammlung „The Second Booke of Ayres“ (1612) vollständig, in der Original-Reihenfolge und somit ganz in der von Campion erdachten Dramaturgie erklingen.

Joel Frederiksen zur Seite standen Colin Balzer – Tenor, Domen Marinčič – Viola da Gamba und Ryosuke Sakamoto – Laute/Gamba, auf der Titel-Collage von rechts;
ganz links zu sehen ist Dr. Ulrike Keil, die das Ensemble vertritt.

Alte Musik erfahrbar machen – Nicht zuletzt auf diesem Anliegen beruht das Konzept des Ensemble Phoenix Munich. Ins Leben gerufen vom US-amerikanischen Sänger (Bass) und Musiker (Laute) Joel Frederiksen, ist es unter seiner Leitung nunmehr im !13 Jahr erfolgreich international unterwegs. Dabei beschränkt sich das EPM nicht nur darauf, Alte Musik mit neuem Leben zu füllen, sondern geht auch Synergien mit Weltmusik und Sing-a-song-writern unserer Zeit ein, wie z. B. mit Nick Drake (1948-74),  einem modernen Meister der großen englischen Liedermacher-Tradition, dem er ein Denkmal setzte, mit der CD

> REQUIEM FOR A PINK MOON
ELIZABETHAN TRIBUTE TO NICK DRAKE (1948-74)

Ausgangsort für die Projekte des Ensemble Phoenix Munich bleibt dabei – nomen est omen – München, wo es von einem Förderverein und von zahlreichen Abonnenten unterstützt wird. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei die -Konzertreihe >Zwischen Mars und Venus , benannt nach dem Veranstaltungssaal im Bayerischen Nationalmuseum, wo diese Konzerte derzeit in loser Folge an Sonntag Nachmittagen stattfinden.

Nach dem Ausflug in  die Lieder der englischen Renaissance >

wird die > Konzertreihe “Zwischen Mars und Venus XIII”
am 15. März 2020 mit einem der Spanischen Hofmusik des 17. Jahrhunderts gewidmeten Konzert, “Cancionera de la Sablonara”,  fortgesetzt,
gefolgt am 10. Mai von “Musiker auf Reisen – Auf dem Weg zwischen Prag und Wien”.
Alle Konzerte finden an einem Sonntag Nachmittag um 15 Uhr, im Bayerischen Nationalmuseum/Mars-Venus-Saal, statt.


Anlässlich eines Gedenkkonzertes für Ensemble Mitglied Timothy Leigh Evans, der im September 2019 verstarb,
ist das Ensemble Phoenix Munich zuvor am DO, 21. November, 20 Uhr, in der St. Johannes Kirche in München Haidhausen zu hören.
Alle Details unter nachstehendem Bild/LINK >



Mehr unter >

www.joelfrederiksen.com