Der Zustand der Bahn zeigt beispielhaft, dass in diesem Land etwas fundamental entgleist ist: dass der Staat sich nicht mehr als ein Gemeinwesen versteht, das sich um seine Bürger kümmert – schreibt Autor Arno Luik in seinem neuen Buch “Schaden in der Oberleitung“.

Dazu findet sich auf Stern-Online ein Auszug aus dem Buch, den ich aus persönlicher Erfahrung > “Oma Gaby fährt ICE mit Bierzettel-Ticket” > nur bestätigen kann:

Dieser Staat hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewaltig verändert – und das spiegelt sich am Zustand der Bahn wider. Es ist wohl kein Zufall, dass zeitgleich mit der Agenda 2010 und Hartz IV, diesen Angriffen von oben auf den Sozialstaat, eine Demontage der Bahn stattfand.

So wie der SPD-Genosse Riester die staatliche Rente beschnitt und teilprivatisierte, so beschnitt Bahnchef Mehdorn die Schieneninfrastruktur, um die privatisierte Bahn AG an die Börse zu bringen und an private Investoren zu verhökern.

So wie mit der Agenda 2010 soziale Errungenschaften und Sicherungen, die Generationen von Arbeiter- und Bürgerbewegungen über ein Jahrhundert erkämpft hatten, abgebaut wurden, so wurden beim angestrebten Börsengang der Bahn, die sechs Generationen aufgebaut hatten, Weichen, Signale und Bahnhöfe demontiert.

So wie sich der Staat im Laufe der vergangenen Jahre veschlankt hat, Beamte entließ, Behörden und Ministerien verkleinerte, so verschlankte sich auch die Bahn, entließ Zehntausende von Mitarbeitern, schickte unzählige Beamte in die Frühpension – und mit den entsorgten Menschen verschwand wertvolles Knowhow. 

Es war die Zeit, in der ein Manager, ohne einen Aufschrei zu provozieren, sagen konnte:

“Menschen – das sind Kosten auf zwei Beinen!”

> MEHR 

auf Stern-online



“Menschen – das sind Kosten auf zwei Beinen!” Dieses Kalkül  entpuppt sich inzwischen zunehmend als Milchmädchen-Rechnung und das in einer Zeit, in der der Klimaschutz geradezu nach einem Ausbau der Schiene schreit! Zudem erweist es sich nicht nur bei der Bahn als kontraproduktiv:

Zu dem im Beitrag erwähnten Verlust wertvollen Know Hows, kommt mehr und mehr auch die krank machende Wirkung der damit verbundenen Arbeitspolitik zum Tragen: Die stetige Zunahme psychosomatischer Erkrankungen. Früher oder später, da bin ich sicher, wird letzterer Aspekt zwangsläufig zu einem Umdenken seitens der Manager führen, denn selbst die entmenschlichteste aller Personalspitzen wird nicht ganz auf den Einsatz sogenannter “human resources” verzichten können – für sich übrigens schon ein Unwort, das Bände spricht. Hier geht es nicht um “Gutmenschentum”, dem man nachstreben oder das man spöttisch bis kategorisch ablehnen kann, der Punkt ist vielmehr, dass ohne Menschen in arbeitsfähigem Zustand keine Wirtschaft zu existieren vermag. Zumindest noch nicht. Und das ist gut so!

 



Eckdaten zum Buch:

Arno Luik

Schaden in der Oberleitung

Das geplante Desaster der Deutschen Bahn

Erscheinungstermin: 02.09.2019
Seitenzahl: 296
Ausstattung: Klappenbroschur
Artikelnummer: 9783864892677
  • auch als > erhältlich