Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF): Geschichte, Ziele, Projekte und Links in Übersicht

Mitten im Ersten Weltkrieg, treffen sich ca. 1.136 Pazifistinnen aus zwölf neutralen und Krieg führenden Ländern zu einem internationalen Frauen-Friedenskongress in Den Haag und widersetzen sich damit dem herrschenden Freund-Feind-Denken.

Die Teilnehmerinnen, die zumeist aus der Frauenstimmrechtsbewegung kommen, verfolgen mit dem Kongress drei Ziele:

1. hörbar gegen den Krieg zu protestieren
2. die politische Gleichberechtigung der Frauen zu fordern
3. das Ende des Krieges herbeizuführen.

(…) > MEHR

Die erste FrauenFriedenskonferenz vom 28. April bis  1. Mai 1915 in Den Haag

„Wir Frauen so vieler verschiedener Nationalitäten, die wir uns, um unsere Gefühle auszudrücken, verschiedener Sprachen bedienen müssen, von denen eine jede ihre eigenen nationalen Charakterzüge trägt, sind hierher gekommen, in dem gleichen Bewußtsein, mit den gleichen Hoffnungen, dem einen Wunsch, daß unsere Stimme bis ans Ende der Erde dringe im Protest gegen diesen fürchterlichen Massenmord und gegen die Annahme, Krieg sei der einzige Weg, internationale Konflikte auszutragen.“

Mit diesen Worten eröffnet Dr. Aletta Jacobs, erste praktizierende Ärztin in den Niederlanden und Vorsitzende des niederländischen Zweiges der Internationalen Frauenstimmrechtsbewegung, den 1. Internationalen Kongress europäischer und amerikanischer Frauen vom 28. April bis zum 1. Mai 1915 in Den Haag. Die Delegierten sind zum Teil unter größten Schwierigkeiten aus 12 kriegsführenden und neutralen Ländern angereist, weitere 300 Beobachterinnen nehmen teil. Welche Brisanz dieses internationalen Treffen besitzt, lässt sich deutlich an den Reaktionen der kriegsführenden Länder verfolgen: Sondererlasse sollen die Einreise verhindern, deutsche Frauen werden in der Mehrzahl an der Grenze abgewiesen, nur 28 erreichen Den Haag. Von den 180 britischen Delegierten erhalten nur 25 ein Visum – und selbst diese können die Reise nicht antreten, da der Ärmelkanal für die zivile Schifffahrt gesperrt ist.

Auf der Grundlage ihres Verständnisses von Demokratie, Pazifismus und Frauenrechten verabschieden sie zu diesen Zielen 20 Resolutionen.  (…) > MEHR

Zürich 1919:

WOMEN DELEGATES FROM 15 COUNTRIES: 23 American, 3 Australian, 4 Austrian, 23 British, 6 Danish, 3 French, 3 Dutch, 27 German, 2 Hungarian, 3 Irish, 1 Italian, 5 Norwegian, 1 Romanian, 11 Swedish, 18 Swiss and 4 Polish delegates. The French government barred the French delegation from attending.

Während Sieger und Besiegte in Versailles jene fatalen Weichen stellten, die in den Zweiten Weltkrieg führen sollten, blieb eine Abordnung des anderen Teils der Gesellschaft, also der Frauen, nicht untätig. Gerade hatten Frauen in einigen europäischen Staaten das Wahlrecht erhalten und einige von ihnen bereits zuvor, 1915, die erste transnationale Friedenskonferenz von Frauen in Den Haag organisiert. Nun also, 1919, trafen sie sich in der Schweiz, um politische Ziele zu formulieren, die von nachhaltiger Wirkung unter anderem für die UNO sein würden. Bei diesem zweiten Kongress gaben sich die Aktivistinnen eine Satzung und einen Namen, der ihre beiden wichtigsten Zielsetzungen beinhaltet:


Entsprechend dieser spannungsgeladenen Zielsetzung engagierten sich die IFFF-Frauen nicht nur für eine allgemeine und umfassende Abrüstung, für die gewaltfreie Lösung von Konflikten sowie eine Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit, sondern auch für soziale Gerechtigkeit und die Verwirklichung von Menschenrechten, gerade auch für Frauen. Zudem verurteilten sie den Versailler-Vertrag, der ohne die Beteiligung von Frauen in Paris ausgehandelt worden war, als Saat für einen neuen Krieg. Ihr internationales Büro verlegte die IFFF nach Genf, dem Sitz des neu gegründeten Völkerbundes.

Die IFFF/WILPF gehört zu den ersten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die die Völkerbundpolitik entsprechend ihren politischen Zielsetzungen zu beeinflussen suchten, teilweise in Kooperation mit anderen internationalen Frauenorganisationen. (…) > MEHR

Anita Augspurg, Atelier Elvira, 1902

Maßgeblich an der Gründung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF = WILPF in der englischen Diktion) beteiligt und federführend in der deutschen Sektion war die deutsche Juristin Anita Augspurg (* 1857 in Verden (Aller); † 1943 in Zürich)

 (…) > MEHR

Nach ihr hat die IFFF den “Anita-Augspurg-Preis” benannt und ihn Rebellinnen gegen den Krieg zugedacht. Seit 2017 verleiht sie ihn alljährlich im Rathaus zu Verden, Anita Augspurgs Geburtsstadt.

(…) > MEHR

 

Ein Teil der Altakten der IFFF ist in der Stiftung Archiv der deutschen Frauenforschung in Kassel zu finden:

www.addf-kassel.de

 

Kongreßteilnehmerinnen der IFFF/WILPF am Grab von Anita Augspurg und ihrer Lebensgefährtin Lyda Gustava Heymann in Zürich, Mai 2019; Im Vordergrund, im gelben Mantel Heidi Meinzolt

Im Mai 2019 trafen sich die Nachfahrinnen jener Frauen erneut am Züricher Tagungsort von 1919, ließen den Pioniergeist von damals wieder aufleben und setzten zugleich gedanklich Weichen für zukünftige Aktivitäten … Bei dem historischen Treffen handelte es sich um einen Veranstaltungspunkt des mehrere EU-Mitgliedsstaaten umfassenden Projekts WOMEN VOTE PEACE, unter Federführung von Heidi Meinzolt, Europa-Koordinatorin der Münchner IFFF-Sektion.


Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ist bis heute eine internationale Nichtregierungsorganisation mit nationalen Sektionen in über 40 Ländern und allen Kontinenten dieser Welt. Die IFFF/WILPF besitzt Beraterstatus* bei verschiedenen Gremien der Vereinten Nationen (UN) mit einem internationalen Büro in Genf und einem New Yorker Büro, das sich vor allem der Arbeit der UN widmet. WILPF ist die älteste Frauen-Friedensorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung mitten im ersten Weltkrieg 1915 in Den Haag richtet sie sich gegen alle Formen von Krieg und Gewalt. Sie war maßgeblich an der Gründung der Vereinten Nationen (UN) beteiligt. Die IFFF/WILPF beteiligt sich an internationalen Kongressen und Weltfrauenkonferenzen und setzt sich auf nationaler Ebene für ihreZiele ein.

(…) > MEHR



Weitere Beiträge zur IFFF im jourfixe-Blog >

> 1918/19 – 2018/19 Women Vote Peace – HERHISTORY complementing History: Ein europäisches Frauenprojekt
> HER STORY complementing HISTORY – Startschuß für die EU-Reihe “Women Vote Peace” im Münchner Teamtheater
> Verliehen aber nicht vergeben – Zwischen Posse und Politikum: Vom Ende des Münchner Anita-Augspurg-Preises 2015



> WOMEN VOTE PEACE

> IFFF/WILPF