Masel tov (מזל טוב) ist jiddisch bzw. hebräisch und bedeutet frei übersetzt Viel Glück oder Viel Erfolg. Der hat die gleichnamige Band durch eine bemerkenswerte musikalische Laufbahn begleitet, die in meiner damaligen Kleinkunstbühne Wirtshaus zum Isartal begann.

Das “Wirtshaus zum Isartal” in München, 1994 als Kleinkunstbühne von Gaby dos Santos (Bildcollage) eingeführt

Aus diesem Grund liegt mir bis heute diese Band persönlich am Herzen. Deren Debüt allerdings gestaltete sich für mich alles andere als reibungslos, denn ich hielt sie versehentlich für ein Duo, bestehend aus einem Gitarristen, an dessen Namen ich mich nicht mehr  erinnere und der Sängerin Andrea Pancur, damals – und für viele Jahre in Folge – die treibende Kraft dieses Ensembles. Anlass für das Engagement war meine jiddische Trilogie “Lachen und Weinen – Beinahe ein Fest!” und für den Abend hatte ich bereits die Klezmer-Jazzband “Nunu” engagiert und somit plötzlich eine Band zuviel! Aber schon damals entfachte Massel Tov aus dem Stand ein Klangfeuerwerk, dem sich niemand zu entziehen vermochte, auch ich nicht, schnöder Mammon hin oder her. Bald darauf überwarf sich der Front-Gitarrist mit der Band.

Zarko Mrdjanov, nicht nur virtuoser Gitarrist, sondern auch versierter Conférencier mit kabarettistischen Anleihen


Daraufhin vermittelte ich an Massel Tov meinen serbischen Freund Zarko Mrdjanov, den ich Jahre zuvor, während Vodka durchtränkter Nächte, in einer “Russischen Datscha” im Lehel kennengelernt hatte, als versierten Gitarristen, zudem ausgestattet mit schelmischer Beobachtungsgabe – Qualitäten, die ihn noch heute, als Gitarristen und nicht zuletzt Conférencier der Band auszeichnen!
Die blickt auf eine nunmehr 18jährige Erfolgschronik zurück, die das Ensemble on tour durch ganz Europa und weiter bis nach Israel führte, letzteres sogar auf Einladung des Israelischen Staates, eine seltene Ehre für eine nicht jüdische Klezmerband! Ein Höhepunkt der Band-Karriere war sicher der Auftritt vor Klezmer-Legende Giora Feidman höchst persönlich, für den jemand privat Massel Tov als personifiziertes Geburtstagsgeschenk engagiert hatte!
Entsprechend breitgefächert ist inzwischen die Referenzliste. Nach der Trennung von Leadsängerin und Band-Gründerin Andrea Pancur hat sich das Kernensemble akribisch ein neues musikalisches Konzept erarbeitet.

Mit Leidenschaft und Hingabe … Die Ensemble-Mitglieder Florian Ewald (vorne), Tatjana Mischenko und Steffen Müller während eines Auftritts des Massel Tov Quintetts

Als Quintett legt Massel Tov seinen Schwerpunkt nunmehrauf 3–stimmigen Gesang
  • auf das Ausarbeiten solistischer Höhepunkte der einzelnen Bandmitglieder
  • auf ein themenorientiertes Programmangebot, welches sich konkreter darstellen/bewerben und in Veranstaltungsreihen/Festivalprogramme einfügen läßt (…) Quelle: www.masseltov.com

Über ihr großes Repertoire an Klezmer und jüdischer Musik hinaus, wendet sich das Quintett in seinem neuen Programm auch der Musik anderer Volksgruppen Osteuropas zu, die in Beziehung zum Klezmer steht oder ihn unmittelbar beeinflusst hat, wie z.B. die der Bulgaren, Rumänen oder auch der Roma. In einer gelungenen Mischung legt Massel-Tov auf wunderbare Weise die musikalische Wechselwirkung zwischen diesen verschiedenen und doch ähnlichen Klangwelten offen. Das führt die Musiker über die traditionelle Spielweisen reiner Klezmerbands hinaus. Auch auf die Spuren jüdischer Emigranten “vom Schtetl in die Neue Welt” begibt sich die Band, mit einigen Preziosen aus dem Repertoire des “Jiddisch Swing” Amerikas.
Durch solcherart Vielfalt, gepaart mit fantasievollen Arrangements, innig empfunden und virtuos intoniert, begeistert und überrascht mich Massel Tov auch nach fast zwei Jahrzehnten noch immer und immer wieder neu, nicht zuletzt auf Grund der ausgeprägten Persönlichkeit der einzelnen MusikerInnen, die ich daher auch im Musikteil eigener Produktionen eingesetzt habe.

Titelbild “Kein Applaus für Podmanitzki”: Zarko Mrdjanov, Andrea Pancur, Florian Ewald vor dem Münchner Künstlerhaus; Foto Werner Bauer


So begleiteten Pancur, Ewald und Mrdjanov musikalisch meine Adaption der Satire “Kein Applaus für Podmanitzki” bei der Uraufführung 2006, im Programm der Jüdischen Kulturtage. Flötistin Tatjana Mischenko wiederum verzauberte 2013 im Musikteil meines Historicals “450 Jahre Alter Südlicher Friedhof“, unter anderem im direkten Duett-Vergleich mit dem Gesang von Vögeln (als Toneinspielung) …

Tatjana Mischenko und Steffen Müller 2017 beim “Dance Mob” von Terry Swartzberg


Bassist Steffen Müller gehört zu den Musikern, die, neben konzertanten Auftritten, auch immer wieder die unmittelbarste Begegnung mit dem Publikum suchen, die es gibt: Die als Straßenmusiker in spannenden Formationen.
Vervollständigt wird das Quintett durch Harald Starken, der seit 2011 bei Massel Tov als Perkussionist den Takt angibt.
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=db0mRoCA4Lc&w=427&h=240]

Jeder ein herausragender Solist, sind sie gemeinsam: Massel Tov



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€ 18,- zzgl. € 1,45 Versandkosten  –  ab sofort zu bestellen im   Massel–Tov–Shop
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