Tatsächlich die Boheme als Thema entdeckt hat der Münchner Kommunal-Wahlkampf, zumindest bis zum 15. März. Das ist erstmal eine gute Nachricht, verbunden mit einer Fülle an informativen Veranstaltungen. Danach aber wird sich die Gretchenfrage der Nachhaltigkeit stellen:” München, wie hältst Du es künftig mit Deinen Kunst- und Kulturschaffenden?” 

Die Antwort dazu sollten wir besser selbst nachliefern, indem wir, als betroffene Kunst-und Kulturschaffende, unsere Anliegen verstärkt politisch thematisieren und daraus klare Forderungen formulieren. So, wie es die Akteur*Innen des Netzwerks Freie Szene München seit einiger Zeit erfolgreich zu tun begonnen haben. Es kann und darf nicht sein, dass wir zum – kosmetischen- Spielball politischer Kräfte geraten, dass wir zu Zahlen in Statistiken zurecht gebogen und entseelt werden; abgewickelt von städtischen/staatlichen Bürokratien, die teilweise mit Personal bestückt sind, das von vielem  Ahnung hat, nur nicht von unseren Metiers, Lebensrealitäten und Erfordernissen! Wie auch? Nur wir selbst haben die erforderlichen Einblicke, um unsere Nöte in sinnvoller Form auf die Agenda der Stadt zu bringen.

Und NEIN! Wir Kunstschaffende/r sollten es nicht länger als gegeben hinnehmen, dass die Ausübung von Kunst und Kultur in der Freien Szene (Neudeutsch für “Bohème”) zwangsläufig, da angeblich brotlos, in einen prekären Lebensstil münden, oder gar in Frühverrentungen, auf Grund chronischer Burn Out Symptomatik. Dem Abhilfe zu schaffen liegt allein an uns, in der entschiedenen Abkehr vom Klischee eines-  stets auf unsere Kosten – verklärten Boheme-Mythos; in der Hinwendung vielmehr zu aktiver kulturpolitischer Teilhabe, mit dem Ziel, unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern und somit auch die Spielräume für unser schöpferisches Handeln.

Solcherart Kurswechsel erfordert aber auch einen Ausstieg aus Kummerkasten, Frust und Lethargie, hinein in die Auseinandersetzung mit der reellen kulturpolitischen Situation in unserer Stadt und zwar so gemeinschaftlich wie nur möglich!

Münchens Boheme ist tot, hoch soll sie in der Freien Szene leben!




Übersicht der letzten Veranstaltungen zum Thema:

 




Bevorstehende Veranstaltungen zum Thema

Dienstag, 11. Februar, 19.30 Uhr >

Samstag, 15. Februar, 15 Uhr, Kammerspiele >




Siehe außerdem zum Thema meinen Beitrag von 2017 im jourfixe-Blog >



Das Titelmotiv zeigt ein Foto von Gaby dos Santos, 2006 von Werner Bauer aufgenommen und gerahmt