Dotschy Reinhard würde ich als eine Protagonistin der Berliner Kulturszene mit zwischenzeitlich auch bundesdeutscher Strahlkraft beschreiben, angesichts der vielen Print-Beiträge, die über sie bereits in Umlauf sind und ihrer regelmäßigen Präsenz in Radio und TV.

So auch in der ZDF-Dokumentation “Sinti und Roma – Eine deutsche Geschichte”, in Erstausstrahlung am 28. Juli 2019, um 23.45 Uhr, in ZDF History zu sehen sowie in der

> Mediathek


Letzten Dezember habe ich sie in Berlin kennen gelernt, zumindest ansatzweise  😉 : Da der Aufenthaltsraum der Jugendherberge, in die es mich verschlagen hatte, sich als lärmende Sportsbar entpuppte, erwies sich die Unterhaltung als etwas mühsam, aber dennoch äußerst informativ.

Dezember 2018 mit Dotschy in Berlin

Auf allerersten Blick wirkte Dotschy dabei auf mich sehr jung und mädchenhaft, doch zeigte sich mir im Gespräch sofort eine entschlossene Frau, zielstrebige Künstlerin und engagierte Sinteza. Anders wäre es auch schwer möglich, sich als Frau in der Musikbranche  durchzusetzen und sich als Aktivistin für die eigene Volksgruppe zu behaupten, deren Strukturen noch immer patriarchalisch geprägt sind. Doch beides ist Dotschy gelungen und noch so einiges mehr:

Als direkte Nachfahrin des großen Django Reinhardt wurde Dotschy der Swing mit in die Wiege gelegt. Foto zu einem > Beitrag in der Allgemeinen Zeitung

In der deutschen Kulturszene wird sie längst als musikalische Größe der jungen Generation gehandelt. Ihre Musik fusioniert traditionellen Jazz, den lebhaften Gipsy-Swing im Stil des Hotclub de France, Bossa-Einflüsse und auch Elemente der populären Singer-Songwriter-Bewegung. 2006 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Sprinkled Eyes“, auch ihr zweites Album „Suni” wurde aufgrund seiner Vielfalt gelobt. Das dritte Album „Pani Sindhu” gilt als klug komponiertes Konzeptalbum.

Inzwischen steht sie auch als Vorsitzende an der Spitze des Landesrats der Roma und Sinti Berlin-Brandenburg e.V.

Ihre Tätigkeit als Autorin startete sie mit einem umfassenden Blick in die Vergangenheit: Gypsy: Die Geschichte einer großen Sinti-Familie.  2016 erschien ihr zweites Buch Everybody’s Gypsy – Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt”, in dem sie den alltäglichen Kampf gegen die Klischees beschreibt, mit denen man ihrer Ethnie gegenüber tritt. Beschämend, was in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur, noch im Jahr 2014!, zutage tritt:

Die Eltern von Reinhardt (Jahrgang 1975) durften sich in einem kleinen Ort in der Nähe von Ravensburg erst niederlassen, nachdem die dortigen Einwohner darüber abgestimmt hatten. Dotschy Reinhardt wurde in der Schule noch Zigeunerin gerufen. In ihrem Buch erinnert sie sich, wie ein Klassenkamerad erwartete, sie könne ihm die Zukunft voraussagen. In den 90er-Jahren, als junge Frau, erhielt sie einen Job im Plattenladen nur dank der Notlüge, sie sei Italienerin. (…)

aus dem Beitrag von Olga Hochweis in Deutschlandradio Kultur: “Selbstbeschreibung einer Sinteza – Dotschy Reinhardt: „Everybody’s Gypsy“. Weiter heißt es: „Eine Missachtung und Verklärung der Traditionen geht damit (mit der Stereotypisierung) einher. Wir sind denen schutzlos ausgeliefert, die uns unserer Kultur berauben wollen, ihrer Version von unserer Kultur. Und damit soll man sich abfinden? Einerseits will man uns nicht als Nachbarn haben, aber die Gypsy-Nude auf dem T-Shirt holt man raus, wenn man mal wieder böses Mädchen spielen will.“  (…) MEHR

Solcherart Verzerrung und Ausbeutung der Sinti und Roma Kultur sind ein großes Thema für Dotschy, wie sich auch in unserem Gespräch in Berlin heraus kristallisierte. “Zu Recht“, muss ich leider hinzufügen, nachdem ich mich seit nunmehr fast drei Jahren mit der Thematik “Sinti und Roma – in Vergangenheit und Gegenwart” auseinandersetze. Dabei – und das besorgt mich am meisten – steckt hinter den Klischees, den Vorurteilen und der Ablehnung vor allem eines: Absolut mangelhafte Sachkenntnis in Bezug auf “Sinti und Roma” seitens unserer Mehrheitsgesellschaft und nicht zuletzt auch darüber, dass die Volksgruppe der Sinti seit bereits 600 Jahren unter uns lebt – und ebenso lange ausgegrenzt wird! Da besteht dringend Nachholbedarf, mit besten Grüßen an das Bildungsministerium!

Gut, dass dem nun Persönlichkeiten wie Dotschy Reinhardt entgegen treten: Charismatisch, vielseitig talentiert und stark!


Nun ist Dotschy Reinhard eine der Protagonistinnen in der

ZDF-Dokumentation “Sinti und Roma – Eine Deutsche Geschichte”

Erstaustrahlung in der Sendung ZDF-HISTORY, am Sonntag, 28. Juli, 23.45 Uhr
ZDF-Mediathek aufrufbar > UNTER DIESEM LINK

 

Weitere Kommentator*Innen/Zeitzeug*Innen in der Dokumentaion sind
Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma)
Jane Simon (Autorin)
Janko Lauenberger (Musiker und Autor)
sowie
Petra Rosenberg (Interessenvertreterin und Sprecherin deutscher Sinti und Roma.
und eine Schwester von Sängerin Marianne Rosenberg



Am 25. Juli war Dotschy Reinhard bereits in der ZDF-Morgensendung “Volle Kanne” zur Vorankündigung des Beitrags in ZDF History zu Gast

 

 



Foto-Rechte:

Titelbild: Jazz-Sängerin Dotschy Reinhardt – FOTO: U. HAUT

*, honorarfrei – Verwendung gemäà der AGB im pinhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung und bei Nennung “Bild: WDR/Oliver Ziebe” (S1). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

** Das Foto: Dotschy Reinhardt im roten Kleid ist von Harald Krichel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30794478


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