Der Klimaschutz treibt zur Zeit nicht nur jede Woche zehntausende Schülerinnen und Schüler auf die Straße, auch das Ebenböckhaus in Pasing war bis auf den letzten Platz besetzt (s. Titelbild), als das Kulturforum München-West, im Rahmen seiner Wissenschaftsreihe, zu einem Vortrag mit dem Titel „Klimawandel – die umbequeme Wahrheit“ eingeladen hatte. Im Nachgang des Vortrags hatte ich Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit dem Referenten des Abends, Raoul Koether.

GdS: Raoul, Dein Vortrag trägt den Untertitel „Was wir tun können und was wir tun müssen.“ Können wir noch etwas tun, um den Klimawandel zu stoppen?

Raoul: Barack Obama hat im Vorfeld der Pariser Klimakonferenz 2015 gesagt: ‚Wir sind nicht die letzte Generation, die den Klimawandel erleben wird, aber wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann‘. Ja, wir können etwas tun! Das ist mir ganz wichtig, diese Botschaft zu vermitteln, damit auch tatsächlich was getan wird. Die traurige Wahrheit ist, einige Südseeatolle werden nicht mehr zu retten sein, aber den Point-of-no-return zu erreichen kann noch verhindert werden.

GdS: Du hast den ehemaligen US-Präsidenten Obama zitiert. Der Schirmherr der Organisation, für die Du Dich engagierst, das Climate Reality Project, ist der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore. Erzähle uns ein bisschen über das Project.

Raoul: Das Projekt wurde 2006 von Al Gore ins Leben gerufen, der sich schon seit den 80er Jahren mit dem Thema Klimawandel beschäftigt. Vielleicht kennen ja manche seine beiden Filme zu diesem Thema. Für „An Uncovenient Truth“ hat er 2007 den Oscar bekommen. Wir sind ein Zusammenschluss von mittlerweile 15.000 Freiwilligen, die das Thema Klimaschutz weltweit bewegen, durch Vorträge, so wie diesen, aber auch durch Veröffentlichungen, Aktivitäten oder Gespräche mit Politikern und Entscheidern. Jeder von uns hat sich zu zehn solcher Aktionen pro Jahr verpflichtet.

Raoul Koether mit Florian Pronold, SPD, Staatssekretär im Bundesumweltministerium

Im letzten Sommer zum Beispiel, übrigens einem der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, habe ich mit Florian Pronold bei uns in Pasing-Obermenzing über die Arbeit der Kohlekommission gesprochen. Florian Pronold, SPD, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und ich waren uns schnell einig, dass das Ergebnis der Kohlekommission nicht die Frage sein kann, ob Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigt, sondern nur wann. Und wir waren uns auch beide einig, dass der Ausstieg nur dann funktionieren wird, wenn er auch soziale Komponenten berücksichtigt. Und so ist es ja dann auch gekommen, auch wenn man sich einen schnelleren Ausstieg gewünscht hätte…

GdS: Das klingt spannend. Wie bist Du zum Climate Reality Project gekommen?

Raoul: Ich kenne die Organisation schon länger. Meine Schwiegereltern waren bei einem der ersten Trainings für Freiwillige dabei, das damals noch bei Al Gore zu Hause in Tennessee, in einer Scheune seiner Farm stattgefunden hat. Was mich dabei immer überzeugt hat, war der Ansatz, dass effektiver Klimaschutz nur dann erfolgreich sein kann, wenn man die Menschen dort abholt, wo sie gerade stehen und das auch kleine Schritte in die richtige Richtung ein Fortschritt sein können.

GdS: Mittlerweile scheint sich ja auch in der Politik einiges zu tun in diesem Bereich, zumindest in Europa. Aber was können Du und ich machen, um unser Klima zu schützen?

Raoul: Ich empfehle drei ganz konkrete Schritte:

1. Macht Euch Euren ökologischen Fußabdruck bewußt und schaut, wie viel CO2 Eure individuelle Lebensweise verursacht.
Das kann man ganz einfach mit dem CO2-Rechner des Bundesumweltamtes machen > www.uba.co2-rechner.de.
Dort gibt es dann auch Vorschläge, wie man C02 einsparen kann.

2. Für die Münchnerinnen und Münchner unter Euch: geht auf die Webseite www.coolcity.de
Dort sind unter ‚Münchner Angebote‘ über 80 konkrete Vorschläge, was man selbst tut kann.

3. Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, klimaschädliches Verhalten nicht vermeiden kann oder eventuell auch nicht will, kann man doch zumindest die Folgen kompensieren, z.B. durch CO2-Einsparung an anderer Stelle, für die man Geld zahlt.

GdS:


Aber die größten Effekte können trotzdem nur politische Entscheidungen erzielen, stimmt das?

Raoul: Ja, das stimmt. Mein Schwerpunkt ist zum Beispiel der kommunale Klimaschutz. 30 Prozent des CO2-Ausstoßes kommt aus öffentlicher Infrastruktur. Das kann man nur politisch angehen. Aber auch der öffentliche Druck, wie jetzt durch die Fridays for Future, Parents for Future, Scientist for Future usw. ist nicht zu unterschätzen. In den 80ern sind die Menschen gegen das Waldsterben und den sauren Regen auf die Strasse gegangen. Schwefeldioxide spielen heute bei uns deswegen kaum noch eine Rolle bei den Schadstoffen, und der Wald hat begonnen, sich zu erholen. Und wären die Menschen nicht für ein FCKW-Verbot auf die Straße gegangen, könnten wir heute sicher nicht beobachten, dass das Ozonloch beginnt, sich wieder zu schließen. Wir können also etwas tun, jeder von uns!


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