We women from Poland, Germany, UK, Croatia, Bosnia, US, Georgia, Austria, France and other countries meet here in Warsaw because we remember 100 years of women’s voting rights. lautete das abschließende  Statement der Frauen, die sich vom 29. bis 31. März in Warschau unter dem Motto: 100 years of women’s vote: Celbebration or mobilisation? zusammengefunden hatten und weiter:

We are celebrating that we are always working cross-border. We refuse nationalism, separating human beings by nationalistic and male-dominated power interests. We women are nevertheless alerted by new walls and fences in Europe 30 years after the break down of the Berlin wall and an end of the cold war. These barriers can never separate us in our common will to contribute to a more just and peaceful society!

Ach das Fazit von Heidi Meinzolt, Initiatorin des gesamten EU-Projekts fiel zuversichtlich aus: Das europäische Projekt „Women Vote Peace“ hat einmal mehr seine Strahlkraft entfaltet, nach innen als inzwischen verschworene Gemeinschaft der Organisatorinnen,  und außen mit vielen Denkanstößen in die Vielfalt der Gesellschaft/en hinein! Die März-Etappe des umfangreichen EU-Projekts führte nach Polen, einem EU-Land, das auf Grund seiner aktuellen politischen Ausrichtung eine besondere Herausforderung für ein feministisch-historisches Frauenprojekt darstellt und gleich zwei polnische Städte zum Schauplatz hatte:
Krakau Anfang März  und  Warschau zum Monatsende, wo auch das abschließende Kommuniqué entstand.

V. li. Adelheid Schmidt-Thomè, Agnieszka Kosińska/Direktorin des Joszef Csapski Museum Krakau, Slawomira Walczewska, Organisatorin der Krakauer Etappe von Women Vote Peace, Heidi Meinzolt, Initiatorin des Gesamtprojektes, daneben die litauische und die polnische Darstellerin von „Revolutionärinnen A bis Z“.

Angeregt von Slawomira Walczewska, Philosophin und Aktivistin für Frauenrechte, hatte in Krakau die Direktorin des Joszef Csapski Museums, das zum polnischen Nationalmuseum in Krakau gehört, eingewilligt, erstmals die Räumlichkeiten für ein interaktives deutsch-polnisches Theaterstück „Feminismus von A-Z“, mit anschließender Diskussion zur Verfügung zu stellen sowie im neu eingerichteten Videosaal im Hauptgebäude die Frauenfilme „Suffragetten“ und „Die göttliche Ordnung“ zu zeigen. Agnieszka Kosińska war von der Veranstaltung und deren Erfolg so angetan und dass sie im bereits kommenden Jahr eine thematisch ähnlich gelagerte Veranstaltungsreihe plant, anlässlich des 100. Geburtstags einer polnischen Feministin!

Wahrend der szenischen Lesung Heidi Meinzolt, Adelheid Schmidt-Thomé, Katarszyna Adamczyk, Lana Dadu

Revolutionärinnen von AZ – ein kulturübergreifendes Experiment von der Geschichte bis zur Gegenwart

Anita Augspurg, dargestellt von Heidi Meinzolt / Deutschland
Clara Zetkin, dargestellt von Adelheid Schmidt-Thomé / Deutschland
Zofia Daszyńska-Golińska, dargestellt von Lana Dadu  Litauen  >  MONOLOG als pdf
Maria Dulębianka, dargestellt von Katarszyna Adamczyk / Polen

Einführung und Diskussion von Slawomira Walczewska, EfKa Krakow


Nina Sankari, Organisatorin/Koordinatorin in Warschau, bei der Begrüßung

Die Veranstaltungsreihe in der Hauptstadt spielte sich im Spannungsfeld zwischen Festakt anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht in Polen, Konferenzen und Kundgebungen ab. Heidi Meinzolt schreibt:  Wir haben in eindrucksvollen Räumen getagt – die Eröffnung der Konferenz fand im Kulturpalast unter riesigen Kronleuchtern statt, der Palast ein übrig gebliebenes weithin sichtbares Gebäude aus der Sowjetzeit, das eine Kopie der Lomonossow-Universität in Moskau sein soll. Heute steht das Gebäude im Zentrum, umgeben von modernen Glastürmen der Bussinesswelt der 2000er Jahre. Der Rahmen war würdig für das Jubiläum von 100 Jahren Frauenwahlrecht: Grund zum Feiern – oder neue Mobilisierung? Wohl beides!
Vor 100 Jahren erforderte es unglaublichen Mut gegen den Mainstream unheiliger Allianzen anzugehen, sich international zu vernetzen, trotz angesagtem Patriotismus und Verletzungen aus dem Krieg. Viel ist seither passiert, einiges erreicht durch internationale Konventionen und eine von der UNO garantierte Frauen-Frieden-Sicherheitsagenda. Und doch stehen die Frauen wieder vor dem Dilemma, ihre Rechte immer noch und immer wieder verteidigen zu müssen gegen massive rechte Gegenbewegungen, die vom Patriarchat, der Kirche, der Nation und dem militärisch-industriellen Komplex geprägt sind. Überall in Europa und gerade auch in Polen werden aktuell erkämpfte Rechte wieder in Frage gestellt von konservativen Regierungen. Die Kirche spielt dabei in Polen eine verstärkende Rolle. Insofern war es mehr als logisch, hier Frauenrechte mit AtheistInnen und FreidenkerInnen auf dem Kongress zu diskutieren.

Polinnen machen auf den Straßen Warschaus mobil, auch das eine Reaktion auf 100 Jahre Frauenwahlrecht in Polen

Die weiteren Konferenztage fanden in der renommierten Akademie der Wissenschaften statt, in der Kopernikus gewirkt hat. Die Bilder im Treppenaufgang zeugten von einer Gesellschaft ausschließlich männlicher Wissenschaftler, doch wurden sie durch die vielen Besucherinnen aus mehr als 10 Ländern konterkariert, die nun lebhaft über ihre Rechte und die Herausforderungen in der heutigen Zeit diskutieren.

Wiedersehen in Warschau: Heidi Meinzolt, von der Münchner Sektion der IFFF/WILPF mit der Georgierin Ketevan Bakradze und der in London lebenden Maki Kimura aus Japan


Vorschau:

Selbe Zeit, selber Ort, 100 Jahre später: Die Frauenfriedenskonferenz im Hotel Glockenhof Zürich

Link zum Programm – pdf
Begrenzte Platzkapazität!
> Anmeldefrist bis 1. Mai


Weiterführende Links

Women Vote Peace
IFFF/WILPF – Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
Her Story Complementing His Story
Eine kleine Chronik zum Frauenwahlrecht