Terry Swartzberg, US-amerikanischer Jude, Journalist und engagierter Kippa-Träger, bezieht Stellung gegen jüngsten Warnungen des Antisemitismuns-Beauftragten der Bundesregierung, Felix Klein im ZDF. >

Foto: ZDF/Mittagsmagazin

Nachrichten | ZDF-MittagsmagazinJüdisches Leben in Deutschland | 31.5.2019

Terry Swartzberg ist Autor, Journalist, Aktivist und bekennender Jude. Seit 40 Jahren lebt der gebürtige Amerikaner in München. Immer und überall trägt er eine Kippa, die Kopfbedeckung männlicher Juden.

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Swartzbergs Credo lautet: “Nie wieder Opfer”, wozu er auch im israelischen Fernsehen Stellung bezieht. >

In der ihm typischen. positiven Art bietet er dem Antisemitismus paroli, wie er in einem Offenen Brief an Felix Klein äußert, den ich nachstehend im Wortlaut wiedergebe:

“Shalom Felix,

Seit dem 1. Dezember 2012 trage ich eine Kippa in der Öffentlichkeit – überall in München, Deutschland und Europa.

Terry Swartzberg übergibt 2015 seine erste Kippa dem Haus der deutschen Geschichte in Bonn

Gestern – am 26. Mai 2019 – erging es mir als Kippa-Träger genauso wie an den 2.367 Tagen zuvor: Ich erlebte keine Anfeindungen, keine bösen Blicke und natürlich und vor allem keine Gewalt – also nichts von dem, das Sie mir als Kippa-Träger vorausgesagt haben.
 
Vielmehr bekam ich einige lustige, aufmunternde Bemerkungen, wie ich es nicht anders erwartet hatte. Meine Kippa – eine der farbenfrohesten aus meiner großen Sammlung (anbei ein Foto!) – und ich standen am „Stolpersteine“-Stand auf dem „Corso Leopold“ in München und sahen buchstäblich viele der 200.000 Teilnehmer vorbeiziehen.
 Vor 2.368 Tagen setzte ich eine Kippa auf meinen Kopf, um den Juden in Deutschland und anderswo auf der Welt Mut zu machen. Und um ihnen zu zeigen,
 
– dass sie gar nichts zu befürchten haben beim – freudigen und stolzen – Vorleben unserer jüdischen Identität in der Öffentlichkeit
dass die Zeiten, in denen wir versteckt in Ghettos leben und uns ängstigen müssen, längst vorbei sind
dass die Zeiten, in denen wir proaktive und antreibende Protagonisten des neuen und vielfältigen Europas sind, angebrochen sind.
 
Vor 2.368 Tagen setzte ich meine Kippa auf, um Ihnen, lieber Felix, zu zeigen, dass wir Juden eine Grundlektion des Holocaust gelernt haben: Am effektivsten lassen sich Antisemiten und Hasser aller Art bekämpfen, indem wir uns direkt und angstfrei vor sie stellen und ihnen zeigen, dass wir Juden – wie viele andere Minderheiten, die ebenfalls Ausgrenzung und Hass erleben – es ablehnen, wieder in die Opferrolle gedrängt zu werden.
 
Angesichts dessen ein Vorschlag: Bevor Sie wieder eine Warnung über das Kippa-Tragen in der Öffentlichkeit von sich geben – warum nicht einfach kurz mit mir und mit den vielen anderen Juden spreche, die ein freudiges und angstfreies Judentum leben und vorleben?
 
Besser noch: Warum begleiten Sie mich nicht, während ich meinen völlig unspektakulären Alltäglichkeiten nachgehe. Vielleicht lernen Sie etwas dabei – und schöpfen Mut!
 
Yom tov!” (Ende des Offenen Briefes von Terry Swartzberg an Felix Klein)
 
Ich wünsche meinem lieben Freund und jourfixe-Mitglied Terry, dass der Eindruck, den er von uns Nichtjüdinnen und Nichtjuden hier in Deutschland gewonnen hat, erhalten bleiben möge. Ganz sicher bin ich mir da leider nicht; es kommt möglicherweise doch mitunter darauf an, wo, wann und unter welchen Umständen man sich aufhält …?

Von einem aber bin ich überzeugt und danke daher Terry von Herzen für seine Worte in Print und TV: Mutig ein Zeichen zu setzen, statt sich in einer generalisierten Opferrolle einzurichten, ist mit Sicherheit der zielführende Weg, weil den tatsächlichen Antisemiten dadurch so wenig Raum wie irgend möglich eingeräumt wird.

Um ein weiteres Zeichen zu setzen, lud gestern Terry einmal mehr in sein historisches Brauerei-Häuschen am Münchner Nockherberg – eine “Open-House”-Einladung zu einem Kippa Tragen für alle …

Terrys Offenheit, sein kompromissloser Einsatz für Freiheit, Frieden und Toleranz, mit oft originellen Mitteln, berühren mich tief! Und nicht nur mich! Auf dem Doppelbild ist Terry beim gestrigen Kippa-Tragen mit unserem jourfixe-Mitglied Angelica Fell zu sehen, Gründerin und geschäftsführender Vorstand der inklusiven Freie Bühne München. Zwei visionäre Kämpfer*Innen für eine vorurteilsfreie, bunte Gesellschaft …

Terry Swartzberg vor der Synagoge am Münchner St. Jakobsplatz, fotografiert von Dirk Schiff/portraitiert.de

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