Vera wird 1956 in Gauting geboren. Sie ist ein geliebtes Einzelkind, träumt aber immer von Geschwistern und einer Großfamilie. Nach der Schule wird sie Krankenschwester und erfüllt sich mit Anfang 20 einen Traum: Sie zieht nach Italien. Schnell findet sie dort Arbeit in einer Hotelanlage, im Winter gibt sie Deutschunterricht. Nach kurzer Zeit lernt sie Aldo, einen verheirateten Italiener, kennen und die beiden verlieben sich. Als Vera ihr erstes Kind von Aldo bekommt, entscheiden sich Veras Eltern, zur Tochter nach Italien zu ziehen. Sie brechen ihre Zelte in Bayern ab und kaufen einen schönen alten Hof, in dem die Großfamilie leben soll. Doch dann kommt alles anders: Der Vater erleidet einen Schlaganfall, bei der Mutter wird Krebs diagnostiziert, und als Vera mit dem zweiten Kind schwanger ist, verlässt Aldo sie. Vera ist 36 und steht vor dem Nichts.

Sie will nur noch zurück in ihre Heimat Bayern. Gemeinsam mit ihren Eltern und Kindern zieht sie in die Nähe des Ammersees. Da sie wegen der Kinder und des pflegebedürftigen Vaters ans Haus gebunden ist, aber ihre Familie finanzieren muss, wird sie Tagesmutter.

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Vera mit erwachsenen und aktuellen Pflegekindern

Sie genießt ihre Arbeit und die “Tages-Kinder” lieben sie. Schon nach kurzer Zeit fragt das Jugendamt bei ihr an, ob sie auch Kinder in Pflege übernehmen würde. Sie sagt zu und hat von da an bis heute ihr Haus immer voller Kinder.

Dieses Schicksal empfindet jetzt Constanze Hegetusch in ihrem aktuellen Beitrag in der BR-Reihe “Lebenslinien” nach.

„Ich hab’ erst gedacht, das schaffen wir nie“, gesteht die Dokumentarfilmerin dem Münchner Merkur in einem Interview zum Making of.  „Als ich das erste Mal für eine Vorbesprechung zu Vera nach Hause kam, saß sie da, mit einem kleinen Bündel Mensch auf dem Schoß, das sich an sie klammerte und das sie auch nicht loslassen wollte.“ Es war der zweijährige Angelo, der seit gut einem Jahr bei seiner Pflegemama lebt, genauso wie seine Schwester Sophie sowie weitere vier Pfleglinge. „Wie soll man da in die Geschichte eintauchen und auch noch einen Film darüber machen, wenn dauernd irgendwelche Kinder rumwuseln?“, fragte sich Hegetusch. „Es klappte überraschend gut, weil Vera gute Freunde hat, die immer dann einspringen, wenn Not am Mann ist. 

Der Filmbeitrag taucht ein in ein Leben, das über eine lange Strecke wenig Erfreuliches für die gelernte Krankenschwester Vera Pein parat hatte. 1956 in Gauting geboren, muss sie schon als Kindlernen, was es heißt, wenn das Geld plötzlich knapp wird und oft auch nichts mehr zu Essen da ist. „Trotzdem hatte ich eine behütete Kindheit, weil die Mama alles tat, damit es wenigstens mir gut geht.“ (Quelle: Münchner Merkur, 11.10.)

Auf den Spuren ihrer “Lebenslinien”: Vera Pein im Film von Constanze Hegetusch

Die Filmaufnahmen waren für Vera Pein wie eine Therapie. „Wir haben wirklich alle Orte aufgesucht, die ich oft fluchtartig verlassen musste. Mit den Kindern waren wir sogar in Italien. So konnte ich auch da Abschied nehmen.“ Vera Pein wurde zwischendurch immer wieder krank. Am Ende zieht sie glücklich einen Strich unter die Vergangenheit: „Ich habe endlich meinen inneren Frieden gefunden.“

AB SOFORT ist der Beitrag auch aufrufbar in der BR-Mediathek, in der Reihe

Lebenslinien | 14.10.2019

> Vera und ihre 60 Kinder

Filminfo

Originalitel: Vera und ihre 60 Kinder (D, 2019)
Regie: Constanze Hegetusch
Redaktion: Christiane von Hahn
Länge: 45 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo



Das Titelmotiv zeigt die Protagonistin sowie in der ersten Reihe, zweite von links, unser jourfixe-Mitglied, Dokumentarfilmerin Constanze Hegetusch