Eine Benefizveranstaltung für Jutta Speidels HORIZONT e.V. führte 2001 Conny und mich erstmals zusammen. Obiges Foto zeigt uns beide nun 19 Jahre später wieder einmal auf dem Weg zu Jutta Speidel, diesmal zu ihrer eigenen Kulturbühne Spagat, in ihrem nunmehr schon zweitem HORIZONT-Haus. Weil ich selbst die ersten Jahre mit meiner Tochter in einem Mutter-Kindheim gelebt habe, weiß ich Jutta Speidels Engagement aus persönlicher Sicht umso mehr zu schätzen, ebenso wie die Tatsache, dass deren Bühne, vertreten durch Theaterleiterin Stephanie Tschunko, inzwischen auch Teil der Kulturplattform jourfixe-muenchen ist.

2001 hatte ich am Tatort der damals aktuellen Münchner Tatort-Folge “Der Fremdwohner”, im Fotostudio von Thomas von Salomon eine jourfixe-Veranstaltung mit dem Fastfood-Improvisationstheater ausgerichtet, das rund um das Themenfeld “Mord und Totschlag” zünftig improvisierte. Der Erlös ging zu 100 % an Jutta Speidels HORIZONT e.V. Bei diesem Anlass traf ich auch zum ersten Mal die berühmte deutsche Schauspielerin und Wohltäterin persönlich. Zu Gast und eingebunden in die Impro-Einlagen waren außerdem der Filmkomponist Joachim J. Gerndt und der damalige Chef der Münchner Mordkomission, Josef Wilfling, höchst persönlich. Mitten in der Veranstaltung wurde er zu einem Einsatz gerufen und eilte mit seinen Mannen davon, die anwesende Presse im Pulk hinterher, während das Fastfood-Ensemble weiter fleißig Verbrechen improvisierte. Nach einer Stunde kamen dann Komissar und Presse wieder zurück und das Publikum erfuhr zu fortgeschrittener Stunde, aus Wilflings berufenem Mund, von gruseligen echten Morden, wie einen Giftanschlag, den das Opfer nur überlebte, weil es in der Tram vor dem Krankenhaus Rechts der Isar zusammenbrach, indem eine spezielle Giftzentrale eingerichtet ist.  (Später entstand sogar eine Dokutainment-Serie im BR aus Wilflings Mord-Reminiszenzen.) Mitten in diesem Crime-Abend zwischen Realität und Bühnen-Illusion stellte mir das Fastfood-Ensemble die neue Managerin vor, eine junge Dame namens Cornelia Prössl. Aus dem Stand erlebte ich sie als derart tatkräftig, dass die Theatergruppe in Folge so einige Engagements seitens des jourfixe nicht zuletzt deren Top-Managerin Conny zu verdanken hatte … 😉

Aus der Kooperation entwickelte sich eine Freundschaft und 2009 trat Conny auch offiziell dem jourfixe-muenchen bei. Inzwischen hatte sie sich im Bereich der Kultur-PR selbstständig gemacht und unterstützte auf diesem Sektor, neben ihren eigenen Klienten, auch unsere Veranstaltungen ehrenamtlich. Zudem übernahm die studierte Literatur- und Theaterwissenschaftlerin auch das eine oder andere Mal Sprecherrollen in meinen Historicals. 2016 dann schlug das Schicksal zu: Conny erlitt am Vorabend ihres Geburtstags einen schweren Schlaganfall. Dabei rettete die Tatsache, dass sie mit ihrer Freundin und Klientin, der russischen Künstlerin Viktoria Lein in einem Restaurant in ihren Ehrentag hatte hineinfeiern wollen, Conny das Leben. Die Gäste am Nebentisch erkannten sofort, dass es sich um einen Schlaganfall handelte und daher lieferte man Conny sofort in die Stroke-Unit eines Krankenhauses ein. Nicht nur musste Conny überhaupt erst wieder sprechen lernen und war halbseitig gelähmt. Auch ihre günstige Wohnung in Schwabing verlor sie und den Anschluss an unsere Kunst- und Kulturszene, weil sie zu ihrer Mutter nach Regensburg ziehen musste. Auf Grund einer günstigen Fügung zog jedoch 2017 mein langjähriger Mitbewohner, Jazz-Journalist und Musiker Marcus Woelfle aus, so das in meiner Haidhauser Künstlermansarde ein Zimmer für Conny frei wurde. Von hier aus unterzieht sich Conny bis heute wochentäglich ein bis zwei unterschiedlichen Therapien zur Rehabilitation, mit der gleichen Disziplin, mit der andere arbeiten gehen. Dank ihrer zwischenzeitlichen Fortschritte hat sie auch die PR-Arbeit für ihre KünstlerInnen-Stammklientel wieder aufnehmen können.

Veranstalter und Jazz-Drummer Stefan Noelle schaut aus der luftigen Höhe des HORIZONT-Kinderbaumhauses auf seinen musikalischen Gast, Jazzgitarristin Barbara Jungfer

Als WG, Arbeits- und Schicksalsgemeinschaft verbindet uns besonders die gemeinsame Leidenschaft für DIE BÜHNE und so zeigt uns das Bild nach 19 wechselhaften Jahren noch immer gemeinsam und einmal mehr auf dem Weg zu Jutta Speidel, in die Kulturbühne Spagat. Dort ging es diesmal nicht um Mord und Totschlag, sondern um Jazz, besser gesagt um die “Be My Guest”-Jazzreihe, die Schlagzeuger und Veranstalter Stefan Noelle in den letzten Monaten ausschließlich herausragenden Jazzerinnen gewidmet hat. Dabei wurde sichtbar, was für tolle Musikerinnen der Jazz allein schon in der hiesigen Szene zu bieten hat, die nur leider noch nicht so präsent sind, wie frau es sich wünschen würde. Diesmal zu Gast war die Jazzgitarristin Barbara Jungfer, die ich bereits bei unserer jourfixe-Weihnachtsfeier im Dezember 2019 kennengelernt hatte, als sie spontan bei uns “einstieg”. Im Gepäck hatte sie ein originelles Programm, nämlich mehr als hinlänglich bekannte Volkslieder wie “Die Gedanken sind frei” oder “Theo, spann den Wagen an” zu verjazzen und damit in ein ganz neues Hörerlebnis umzugestalten. Dabei, einmal Veranstalterin, immer Veranstalterin, konnte ich es mir, wie üblich, nicht verkneifen, die Anzahl der Gäste zu überschlagen, obwohl Conny und ich nur zu Gast waren. Hier zeigten sich die ZuschauerInnen so zahlreich, wie die Corona-Regeln es überhaupt zuließen. Das freute mein altes Jazzerinnen-Herz doch sehr, zu sehen, wie wunderbar es Stefan Noelle und Theaterleiterin Stephanie Tschunko in kurzer Zeit gelungen ist, den Jazz zu einer festen Größe am Domagkpark zu etablieren. Neben Gästen von Jutta, wie Prof. Thomas Pekny, Intendant der Komödie im Bayerischen Hof, mit dem ich seit meiner Mega-Feier zum 60. Geburtstag bekannt bin, hatten sich vertraute Gesichter aus der Jazz-Szene eingefunden, denen man immer wieder bei solcherart Konzerten begegnet. Ein gute Zeichen dafür, dass die Kulturbühne Spagat als Jazz-Location angenommen wurde. Solange das Wetter hielt, genoss ich ohne Ende die Klänge unter freiem Himmel, Conny neben mir, Jutta Speidel mit ihren Gästen einige Reihen weiter … wie 2001; Kreise die sich schließen!

“Alles wird anders, aber nichts ändert sich” ….

Dieses alte russische Sprichwort hat mir mal mein lieber Freund, Bestseller-Dichter (“Grundlos zärtlich”) und Jazzmusiker Jörn Pfennig zitiert. Der war, als alter Jazzer, natürlich mit seiner Frau Catherine auch vor Ort 😉


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