“Überhaupt erst zusammenwachsen muss, was zusammen gehört”, lautet ein ungeschriebenes Gesetz unserer Branche in Bezug auf künstlerische Ensembles. Ein solcher Prozess des gegenseitigen Herantastens beansprucht viel Intuition, noch mehr Fingerspitzengefühl und meist auch ziemlich viel Zeit. Diese Regel scheint jedoch nicht auf das  Trio Aventin zuzutreffen, das sich, neben unserem jourfixe-Mitglied Nicolas Koeckert an der Geige, aus Pianistin Lilian Akopova und Prof. Julius Berger am Cello zusammensetzt. Auf Grund des eng getakteten Tourneeplans, der Nicolas Koeckert  als Solist kreuz und quer durch die internationalen Konzerthäuser führt, muss sich dieses Trio beinahe aus dem Stand aufeinander einspielen, wenn einer ihrer leider viel zu seltenen gemeinsamen Auftritte ansteht, die noch viel seltener in München stattfinden. Eine Tatsache, die ich angesichts des vollen Konzertsaals und des großen Interesses an der Veranstaltung im Vorfeld schwer nachvollziehen kann. Aber wie auch immer – Für mich traf es sich gut, dass ich Nicolas überhaupt einmal live erleben durfte, bevor ab Ende der Woche meine Interview-Arbeit zum gemeinsamen Historical “DIE KOECKERTS – IM SPIEL DER GEIGEN” beginnt.

Anhand von Interview-Fragmenten, die als O-Ton Einspielungen später in der Produktion zum Einsatz kommen sowie Bild-Collagen aus den Familienalben, skizziere ich die Koeckert-Chronik, die Nicolas dann live-musikalisch kommentiert, kontrastiert oder auch untermalt, mal solistisch, mal mit Begleitung. Nach diesem Konzert freue ich mich auf die Zusammenarbeit, die für mich ja auch immer eine Expedition in das Wesen eines Künstlers darstellt … und in seine Geschichte. Beides verspricht sich spannend zu entwickeln.

Viel Applaus vor der Pause für das AVENTIN Trio

Nach dem offiziellen Programm, bei dem das Trio Mozart, Haydn und Mendelssohn Bartholdy spielte, forderte das Publikum energisch seine Zugabe ein. Für mich ein absoluter Höhepunkt des Konzertes, der zum Glück von Nicolas Mutter Renata Koeckert (> Im Bann der Stradivaris) via Handy-Kamera festgehalten wurde. Mit entsprechenden Einschränkungen in der Tonqualität; dennoch vermittelt das Video einen Eindruck des Gänsehaut-Momentes, den das Trio mit seiner PIAZOLLA-Interpretation beim Publikum erzeugte >

 

Mit Renata Koeckert vereinbarte ich bei dieser Gelegenheit gleich den Termin für das erste Vorgespräch zum KOECKERT-Historical, schließlich ist die rassige Brasilianerin nicht nur Tochter, Schwiegertochter, Ehefrau und Mutter dieser Streicherdynastie, sondern ebenfalls dem streichinstrumentalen Virus verfallen: Seit vielen Jahren handelt sie mit Streichinstrumenten im gehobenen bis (für Laien) astronomisch hohen Preissegment. Ihre Kunden reisen bis aus Neuseeland nach München-Schwabing, wo Koeckerts Geschäft in einer wunderschönen Jugendstil-Wohnung untergebracht ist. > MEHR

Historisch schloss sich mit dem Auftritt von Nicolas Koeckert im Sudetendeutschen Haus in München mal wieder der Kreis: Eröffnet hatte ihn Großvater, Rudolf Josef Koeckert (* 1913 in Großpriesen bei AussigBöhmen, † 2005 in München). 1939 gründete er das Sudetendeutsche Streichquartett, aus dem später das international bekannte Koeckert-Quartett hervorging, ab 1949 mit Sitz in München. Da verwundert es nicht weiter, dass die Koeckerts regelmäßig und besonders in diesem Konzertsaal gastierten und weiterhin gastieren – der übrigens auf sehr gelungene Art und Weise kürzlich renoviert wurde.


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