2016 nahm ich an einer Führung über das Gelände des Kreativ-Quartiers in der Dachauer Straße teil, wohlbemerkt in festem Schuhwerk, denn wir befanden uns auf einem Terrain “im Werden”, einem urbanen Großprojekt, das eine symbiotische Verbindung von Wohn- und Schaffensraum vorsieht. Vier Jahre später findet sich dort einiges realisiert, allerdings ist auch weiterhin noch viel “im Werden”😏 – stelle ich gerade fest, nachdem mir Facebook meinen damaligen Post heute als “Erinnerung” geschickt hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fertigstellung des Kreativ-Quartiers und die Vergabe der Räumlichkeiten nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt, Corona-Krise hin oder her.

Gaby dos Santos, 2019, zwischen Lichtkünstler Peter Pich und Judith Huber, eine der besten Theaterfrauen weit und breit und Co-Leiterin des Pathos Theaters,  auf dem Gelände des Kreativ-Quartiers in spe

Der Bedarf an Wirkstätten für schöpferisches Arbeiten ist nämlich immens, entsprechend dem Aufkommen an künstlerischen Talenten vor Ort. Ein Pfund, mit dem München noch viel mehr wuchern könnte – und sollte 😉 – um wieder zu einem internationalen Anziehungspunkt von Kunst und Kultur zu werden, wie in der legendären Zeit um 1900.

2016 während der Führung, 2. v.l. Anton Biebl, inzw. Kulturreferent der Landeshauptstadt München

Gerade nach Corona könnte sich eine Stadt wie München, dank der Strahlkraft ihrer Kreativen, selbst einen wertvollen Schub verpassen, die entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt. Die nötigen Weichen dazu wurden glücklicherweise längst gestellt und die wunderbar vielseitigen Talente scharren längst verzweifelt mit den Hufen. Das sich das Modell ” Kunst, kulturelle Vielfalt und Wohnen” durchaus verwirklichen lässt, zeigt die Erfolgsgeschichte der sozio-kulturellen Bühne SPAGAT in Jutta Speidels neuem HORIZONT-Haus am Domagk-Park, Münchens neuem Viertel hinter der Münchner Freiheit. Unter Leitung von Stephanie Tschunko haben sich die Bühne und das angegliederte Café Maximahl in kürzester Zeit zu einem lokalen Treff entwickelt. Ein Beweis dafür, dass kulturelle Utopien wirklichkeitstauglich und zudem, im Verhältnis zu anderen Vorhaben, kostengünstig sind, denn sie beruhen vorwiegend auf Schaffenskraft – und die ist unbezahlbar…

Einige der Kunst- und Kulturschaffenden der Kulturplattform jourfixe-muenchen

Ich selbst würde mir nicht den Stress einer Kulturplattform zumuten, wenn mich nicht das kulturelle und künstlerische Potential meiner Stadt immer wieder neu überraschen und verzaubern würden: Allein wenn ich an die gesellschaftlichen Debatten denke, die ein Viktor Scheffel mit seinem Flüchtlingstheater “Grenzenlos” aufgreift –

FBM: Momentaufnahme einer Bühne für ALLE

Oder an unser jourfixe-Mitglied Angelica Fell und deren inklusive Freien Bühne München, deren gefeierte Inszenierungen das Hohe Lied gesellschaftlicher Vielfalt in die Münchner Stadtgesellschaft und darüber hinaus tragen. Oder Aktionskünstler Wolfram Kastner, unverzichtbares enfant terrible der Münchner Kunstszene, in feinster Boheme-Tradition.

Wolfram Kastner, Maler und Aktionskünstler, München

Ganz zu schweigen von der an sich so reich bestückten Musikszene, die in Ermangelung von Proberäumen und Spielorten, von einem regelrechten Bandsterben heimgesucht wird! Höchste Zeit also für die Fertigstellung des Kreativquartiers, eines, das, im engen Schulterschluss mit den Münchnerinnen und Münchnern, seinem Namen Rechnung trägt und das Spektrum der hiesigen Kunst- und Kulturszene auch wirklich abbildet.


Siehe dazu auch die Impressionen von Irene Gronegger, die 2014 eine Führung des Kreativ-Quartiers miterlebte >

 



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