“Tu Gutes und sprich darüber!” – Den sozialen und kulturellen Mehrwert von Stiftungen in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken, ist das Anliegen des Münchner Stiftungsfrühlings, der 2019 schon zum 4. Mal stattfindet. Eine Woche lang zeigen “100 Stiftungen und Partner mit Sitz oder Wirkkraft in München ihre thematischen Schwerpunkte und liefern den Besuchern Zündstoff zum Informieren, Mitmachen, Nachdenken und Nachahmen, v.a. aber zum Kennenlernen. Denn: Beim MSF wird der konkrete Stiftungsalltag erlebbar,” so erläutert die veranstaltende Münchner Kultur-GmbH das Konzept. > MEHR

Unterschiedlichster Couleur waren die Podiums-Gäste, ebenso wie die Stiftungen, die sie vertraten, bei der diesjährigen Pressekonferenz zum Münchner Stiftungsfrühling 2019. Hinten in der Mitte Ralf Gabriel, Geschäftsführer der veranstaltenden Kultur-GmbH

Solcherart Öffentlichkeitsarbeit erscheint sinnvoll, denn die enge Verbindung des für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Ehrenamts mit dem Stiftungswesen, ist in der Öffentlichkeit weit weniger präsent, als der Missbrauch zu Zwecken der Steuerhinterziehung. Doch je mehr man sich mit der Materie befasst, umso mehr merkt man, was für eine breite Palette an Themen und Betätigungsfelder Stiftungen abdecken. Allein in München und im unmittelbaren Einzugsgebiet zählt man, laut Ralf Gabriel/Geschäftsführer der Münchner Kultur-GmbH, gut 1000 Stiftungen, von denen sich also jede zehnte am Stiftungsfrühling 2019 beteiligt, mit einer entsprechenden Bandbreite an Themen und Programm-Angeboten. Neben der Langen Nacht der Musik und der Langen Nacht der Museen, können sich die Münchner*Innen also auch bei diesem Angebot der Münchner Kultur-GmbH auf eine veritable Kultur-Expedition begeben.

Die BMW-Welt als zentrale Anlaufstelle am Eröffnungstag des Münchner Stiftungsfrühlings 2017

Um nicht im Überangebot an Veranstaltungen unterzugehen, empfiehlt sich am Eröffnungstag ein Streifzug durch die BMW-Welt, in der traditionell viele der teilnehmenden Stiftungen mit Ständen vertreten sind; in diesem Jahr am Samstag, 23. März, ab 11 Uhr: “Dort können sich Besucher beim StiftungsForum an MarktStänden direkt mit den Stiftungsmitarbeitern austauschen und über aktuelle Projekte informieren. Weiterhin bieten zahlreiche Stiftungen Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Vorführungen, Mitmachaktionen, Workshops sowie ein abwechslungsreiches Kinderprogramm”. Ab 19.30 Uhr empfängt das Auditorium die Besucher*Innen mit einem breit gefächerten Programm.

“Nach dem Auftakt am Samstag öffnen zahlreiche Stiftungen auch bei sich direkt von Sonntag, den 24. März bis Freitag, den 29. März ihre Pforten. Dann können die Besucher*Innen nach Gusto respektive persönlichem Bedarf entscheiden, welche der Stiftungen sie näher kennen lernen möchten. Für uns Kunst- und Kulturschaffende erweisen sich beispielsweise Kultur-Stiftungen oft als finanzieller Rettungsanker, wenn wieder einmal dicke Lücken im Budget eines Projekts klaffen.  Diesbezüglich stellt unsere Kulturplattform keine Ausnahme dar:

Ohne die wiederholte Unterstützung der Münchner Regenbogenstiftung. die der Förderung der Gleichstellung und Antidiskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgendern in München und Umgebung dient, hätten wir nicht mehrfach unser Historical “Kann denn Liebe Sünde sein?” zeigen können, das die Vita des schwulen Textdichters Bruno Balz im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit nachempfindet. Die Aufführungskosten dieser aufwändigen Collage sind hoch. Dass dennoch dieses wenig bekannte Kapitel deutscher Kulturgeschichte aufgeschlagen bleibt, ist also nicht zuletzt der Münchner Regenbogenstiftung zu verdanken. Das Schicksal homosexueller MitbürgerInnen steht auch im Mittelpunkt einer ihrer diesjährigen Programmbeiträge zum Stiftungsfrühling:

Sonntag, 24. März, von 14:00 Uhr – 17:00 Uhr FÜHRUNG der Münchner Regenbogen-Stiftung

Stadtspaziergang zur Geschichte der Lesben und Schwulen in München
Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz
80469 München

 

Aber über die unmittelbare finanzielle Hilfestellung hinaus, bietet eine ganze Reihe von Münchner Kulturstiftungen uns Kunstschaffenden Foren für Auftritte, Inspiration und Begegnungen. So nimmt die Münchner Künstlerhaus Stiftung u.a. denkmalpflegerische und kulturelle Aufgaben als Träger des Künstlerhauses wahr, das uns Münchner*Innen sonst möglicherweise an einen Investor verloren gegangen wäre. Am Münchner Stiftungsfrühling 2019 beteiligt es sich mit > mehreren Programmenpunkten.


Magda Bittner Simmet stehend, als “Malerfürstin” in ihrem Atelier am Schwabinger Bach. Dass es der Nachwelt als Museum erhalten geblieben ist, verdankt es der MBS-Stiftung

Dass man mit Stiftungen sich selbst etwas Gutes tun und zugleich nachhaltig andere fördern kann, zeigt die Geschichte der Magda Bittner-Simmet Stiftung. Die namensgebende Dame verstand es, als Malerin und Porträtistin eine Klientel aus dem Münchner “Who is Who” um sich zu scharen, zu einer Zeit, in der Frauen die Einwilligung des Gatten benötigten, um arbeiten zu dürfen! Mal ganz abgesehen davon, dass Bildende Kunst in der Regel auch eher der brotlosen Kunst zuzuordnen ist … Die resolute Magda-Bittner Simmet jedoch malte sich ein recht ansehnliches Vermögen zusammen und wandelte es in eine Stiftung um. So ist uns das idyllisch gelegene Atelier-Museum am Schwabinger Bach bis heute als das erhalten geblieben, was es auch zu Lebzeiten seiner “Malerfürstin” bereits war: Ein Treffpunkt für Interessierte, Kunst – und Kulturschaffende. Dieser Stiftung besonders verbunden fühlt sich unsere Kulturplattform, denn Mitglied Christiane von Nordenskjöld  ist dort als Kustodin tätig. Und zwei unserer zwischenzeitlichen jourfixe-Mitglieder habe ich sogar bei der Magda-Bittner-Simmet Stiftung erst kennengelernt: Die Malerin und Autorin Renée Rauchalles und die Schriftstellerin und Biografin Gunna Wendt. Letztere wird in diesem Jahr auch den Programmbeitrag der MBS-Stiftung zum Münchner Stiftungsfrühling 2019 gestalten:

Montag, 25. März, 19:00 Uhr – Gespräch
mit Biografin/Schriftstellerin Gunna Wendt:
“Nie ohne Lippenstift!” – Selbstbewusste Frauen im Wirtschaftswunder

AtelierMuseum Magda Bittner-Simmet
Schwedenstraße 54 – 80805 München
> Wegbeschreibung

Mehr zum Thema unter:
> Vom Wirtschaftswunder in die Unsterblichkeit

 


Eine weitere starke Frauenpersönlichkeit, deren Bekanntschaft ich dem Stiftungsfrühling 2017 verdanke, ist die 1492 geborene Argula von Gumbach, eine wache, kirchenpolitisch interessierte Persönlichkeit, die die Auseinandersetzungen der Reformation aufmerksam beobachtete. Nicht nur in Form eines regen Briefwechsels, den sie mit Luther führte. Nicht nur als Verfechterin der Reformation, die als „auflagenstärkste Flugblattschreiberin im 16. Jahrhundert“ inspiriert vom freiheitlichen Gedankengut Luthers ihre Glaubensüberzeugung unbeirrt verbreitete. Sondern die die Reformation auch erweiterte, indem sie geschlechtsspezifische Ungleichheiten thematisierte, sagt die evangelische Münchner Pfarrerin und Historikerin Dagmar Knecht. „Argula von Grumbach war eine frühe Feministin“, so Knecht. „Sie ist dafür eingetreten, dass Frauen und Männer in gleicher Weise von Gott sprechen können. Und dass sie das auch sollen.“ (Quelle: Frauen und Reformation/ELKB)

Der Stand dieser Stiftung stach mir trotz vielfältiger optischer Konkurrenz dadurch ins Auge, dass Dorothee Burkhardt, Erste Vorsitzende des Beirats der Argula-von-Grumbach-Stiftung. ein historisches Gewand aus der Reformationszeit trug (Foto links), unübersehbar in seinem schlichten Schwarz-Weiß. Wenig Aufwand, viel Wirkung – was insbesondere für die Namensgeberin gilt. Nach ihr ist der Argula-von-Grumbach-Preis benannt, der Gleichstellungsförderpreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der gerade wieder vergeben wurde > Pressemitteilung

Auch in diesem Jahr bietet die Stiftung einen MarktStand beim StiftungsForum in der BMW Welt am Samstag 23. März.

Außerdem im Programm-Angebot der Stiftung:
Montag, 25.3., 18 Uhr: “Begegnung mit mutigen Frauen”
Lesung und Diskussion im Café Argula
Deutscher Evangelischer Frauenbund
Kufsteiner Platz 1, 81679 München

“Die Reformatorin und Bestsellerautorin Argula von Grumbach stritt wortgewaltig und glaubenssicher gegen die damaligen kirchlichen und weltlichen Autoritäten für das von ihr als richtig Erkannte. Im „Café Argula“ wird sie sich mit Frauen aus späteren Zeiten austauschen, die ebenso für ihre Überzeugungen eingetreten und dabei mit den Mächtigen ihrer Zeit in Konflikt geraten sind.  Willkommen zum Diskutieren!


Viele Stiftungen sind von sozialem Engagement getragen. Ein für mich besonders beeindruckendes Beispiel ist die HORIZONT-Stiftung: Diese wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet. Die Münchner Initiative gibt obdachlosen Müttern und ihren Kindern sowie sozial benachteiligten Familien neue Perspektiven. HORIZONT betreibt zwei Häuser im Münchner Norden und schafft somit neuen Wohnraum und fördert Integration und Teilhabe. Am Münchner Stiftungsfrühling 2019 beteiligt sich HORIZONT mit:

Donnerstag, 28. März, mit 2 Führungen:
Von 11:30 Uhr bis 13:00 Uhr und von 14.30 Uhr bis 16:00 Uhr >
Wohnen und Dazugehören –
Führung durch das HORIZONT-Haus Domagkpark

Am selben Tag erhält Jutta Speidel dafür die Münchner Ehrenbürgerwürde.
> MEHR in den jourfixe-News vom 7.3.19

> Zum Programm des Münchner Stiftungsfrühlings 2019


Was sich sonst noch so alles an “gesammelten Stiftungen” zur Eröffnung in der BMW-Welt entdecken lässt, habe ich 2017 in einem Beitrag festgehalten:

Stiften gehen …

Momentaufnahmen und Gedanken zur Eröffnung des
MünchnerStiftungsFrühling 2017 in der BMW-Welt